180 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Akira Iriye, Jürgen Osterhammel( Hg.): Geschichte
der Welt 1945 bis heute.
Die globalisierte Welt(= Geschichte der Welt, Band 6).München: C.H. Beck 2013, 955 Seiten.
LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2
Schon im 5. Band( 1870-1945) der» Geschichte der Welt«< heißt es:» Nochvor zwei oder drei Jahrzehnten hätte eine neuzeitliche WeltgeschichteEuropas unbesorgt unter dem Motiv des europäischen Sonderwegs<daherkommen können. Heute versucht man, diese Frage jenseits euro-päischer( oder> westlicher<) Selbstgefälligkeit zu studieren und nimmtdem Sonderweggedanken durch Verallgemeinerung und Relativierungseine Schärfe.<<( 5, 21) Dass in anderen Teilen der Welt vielfach ähnlicheProzesse wie in Europa abliefen, ergibt sich aus diesem globalen Blick.Und erkennbar wird die wechselseitige Beeinflussung nicht nur dieserparallelen Prozesse, sondern auch die aktive Beteiligung aller Milieus amGesamtprozess, auch denen der» Unterdrückten« und» Subalternen<<,und deswegen ist der Begriff auch nicht gut anwendbar: In der Dialektikvon Herr und Knecht sind beide miteinander verschweißt. Die Beto-nung der wechselseitigen Verflechtungen der Kulturprozesse in komple-xen Gesellschaften durch die Europäische Ethnologie kann sich dadurchbestätigt sehen. Umgekehrt kann sie für die Geschichte interessant sein,weil sie die Motive der Akteure in den jeweiligen Milieus nachvollzie-hen hilft.
Vermieden wird,» von einer wie auch immer gearteten einzigen> Triebkraft der Geschichte auszugehen«<: Weder Geographie, Staaten,Gemeinschaften noch Ökonomie werden als allein strukturierende Ele-mente angesehen( ebenfalls in Band 5, S. 11).
Wegen solcher Bezüge, aber auch wegen der konsequenten Orien-tierung an Prozessualität wird diese» Geschichte der Welt«< mit ihremfast tausendseitigen 6. Band hier rezensiert. Die Autoren gehen davonaus, dass die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte sich nur»> im globa-len Kontext und nicht im Rahmen eigenständiger National- oder Regio-nalgeschichten begreifen lässt.«<( S. 9)
Es beginnt mit einem Überblick über die internationale Politik nachdem Zweiten Weltkrieg mit dem Ende der Dominanz des europäischenStaatensystems. Bei der globalen wirtschaftlichen Vernetzung wird dasBild von der allmählichen Öffnung der Türen veranschiedet. Dass mit