Jahrgang 
117 (2014) / N.S. 68
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2

Antje Senarclens de Grancy( Hg.): Identität, Politik, Architektur.

Der» Verein für Heimatschutz in Steiermark«(= architektur

+ analyse, Band 4). Berlin: Jovis Verlag 2013, 270 Seiten.

Der ehemalige» Verein für Heimatschutz in Steiermark« nennt sichheute» BauKultur Steiermark« und verfolgt laut aktuellem Statut dreiZiele, nämlich die Förderung qualitätsvoller Baukultur, die Würdigungbesonderer Bauleistungen und die Vernetzung von an der BaukulturInteressierten. Das Attribut» qualitätsvoll« verweist auf eine Konstanteder Heimatschutzbewegungen, nämlich auf normativer Ebene das ver-meintlich Gute vom Schlechten bzw. das Richtige vom Falschen zu tren-nen und damit richtungsweisend bewusstseins- und geschmacksbildendzu wirken. Welche Kriterien bestimmen jeweils die Qualität( normativ)und wie haben sich die kulturellen und architektonischen Leitbilder inder über 100- jährigen Geschichte dieses Vereines geändert?

Das ist laut Antje Senarclens de Grancy die Ausgangsfrage des Sam-melbandes>> Identität, Politik, Architektur«, wobei die Reihenfolge derim Titel verwendeten Begriffe nur auf den ersten Blick zusammenhangs-los erscheint. Die Logik dahinter: Die ersten zwei Drittel des Bandessind vordringlich dem Thema einer Identitätspolitik via Heimatschutz-idee gewidmet und umfassen den Zeitraum von der Gründung desVereins für Heimatschutz im Jahr 1909 bis etwa 1960. Erst im letztenTeil der Anthologie geht es fast ausschließlich um architektonische undbaupolitische Fragen, die die letzten 50 Jahre des Vereins bestimmten.Der damit einhergehende Transformationsprozess ist vielschichtig, abervor allem in zwei Punkten bemerkenswert. Erstens: Der Diskurs überden Heimatschutz verengt sich auf das Bauen und wird Sache des Wis-senschaftszweiges Architektur. Zweitens: Die Rolle einer aktiv durchBeratungen, Vorträge, Ausstellungen oder über Baufibeln und Leitfädenvolksbildnerisch agierenden Institution wird aufgegeben und in die einerPrädikatisierungs- und Wettbewerbsinstanz gewandelt. Gegenwärtigvergibt man nur noch Auszeichnungen und verleiht Preise für vorbildli-ches Bauen, die durch ein ExpertInnengremium zugeteilt werden.

Dieser Rückzug des Vereines aus der Praxis der angewandten Hei-mat- und Baupflege wurde in den letzten Jahren von einem Prozess derSelbstreflexion und Neuverortung begleitet. Ein internationales, fächer-übergreifendes Symposion unter dem Titel:» Transformationen. Vom