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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2
das vielgestaltige Wechselverhältnis von Fremd- und Selbstfigurierung.Durch die Forschung bei Picaldi und in informellen Zusammenhängenerlangt Ege auf Basis von Interviews, Stadtwahrnehmungsspaziergän-gen, Gruppendiskussionen, gemeinsamem Medienkonsum und unstruk-turiertem Zeitverbringen interessante Einblicke in emische Klassifikati-onspraxen und Stilisierungspraktiken, die» vielfach[ einen] spielerischenUmgang mit Selbst- und Fremdbenennungen«( S. 248) darstellen.Als Ausdruck besonderer Authentizität fungiert für die untersuchtenAkteure allerdings» gerade derjenige Typus, der mit Delinquenz asso-ziiert ist«( S. 252). Hier liefert Ege auch plausible Gründe, warum seineKulturanalyse ausschließlich die Figurierung junger Männer behandelt:Erstens ist die Problematik bedingt durch seine eigene Geschlechtszuge-hörigkeit im Kontext der Feldforschung, zweitens durch die männlicheDominanz in den beforschten jugend( sub) kulturellen Szenen sowie drit-tens durch die Tatsache, dass die zirkulierenden( kulturellen) Figurenbereits geschlechtlich markiert sind. Mit dem sog. Picaldi- Style sind spe-zifische Vorstellungen und Idealbilder von Maskulinität verbunden, eine>> kraftvolle, muskuläre männliche Körperlichkeit«( S. 176), die gemein-hin auch als» prollig« wahrgenommen wird.
Um die Bedeutung des kulturellen Zeichens des Picaldi- Styles zubestimmen, beleuchtet Ege in profunder Kenntnis deren Relationen zuanderen kulturellen Figuren wie Skatern oder Hip- Hop- Hörern, Gangs-ters, dem sog. Kanaken- Style, Playern und Playboys oder dem Atzen-Style. Hier weist er darauf hin, dass der Picaldi- Style für viele ethnischmarkiert ist, als Identitätszeichen in migrantischen Milieus fungiert oderauch mit bestimmten Territorien( Berliner Stadtbezirke) verbunden ist.An die verschiedenen subkulturellen Stil- Figuren heftet sich urbanesOrientierungswissen, das in der Feldforschung wiederkehrend in Formvon binären Codierungen( Ost- West, Deutsche- Ausländer etc.) auf-taucht. Je näher allerdings die soziale Distanz zwischen Akteuren ist,desto>> feinere Unterscheidungen«<( S. 214) treten in Erscheinung.
Viele der befragten jungen Männer negieren explizit, Teil einer Sub-kultur zu sein. Hieraus schließt Ege, dass viele Akteure die» subkultu-rellen Zusammenhänge[...] als diejenige soziale Welt erleb[ en], in dieman nun einmal hineinwächst«<( S. 250). Trotz gemeinsamer ästhetischerStil- Praxen und Erfahrungen der( Fremd-) Klassifizierung kann er keinestabilen Wir- Vorstellungen konstatieren. Während dieser Befund derThese der Figurierung als intentionalem Code widerspricht, verschweigt