168 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2
schaftlichen Arbeitens bei einer Analyse von dessen Rahmenbedin-gungen zu beginnen, um dann auch zu zentralen epistemologischenBegriffen vorzustoßen. Dieses Konzept ist einleuchtend und im Buchgut umgesetzt worden. Zahlreiche Einzeldarstellungen sind nicht nurbestens gelungen, sondern bieten auch originelle und innovative Ein-sichten in die Theorie und Praxis des kulturwissenschaftlichen Betriebs.Elegante und flüssig lesbare Darstellungen sind hier allerdings wenigerzu erwarten; vereinzelte Nicht- Fachleute, die sich hier möglicherweiseüber das kulturwissenschaftliche Arbeiten informieren wollen, dürftensich hier eher mit Grausen abwenden. Denn, wie uns der Handbucharti-kel über Wissenspopularisierung belehrt, setzt diese» eine asymmetrischeKommunikationsstruktur voraus, die einen Prozess und eine Dynamikeiner Wissensverbreitung und-verarbeitung in Gang setzt. In der For-schung<< so heißt es weiter>> wird dieser Vorgang der Popularisie-rung nicht mehr nur als linearer Transfer von oben nach unten, von denExperten zu den Laien verstanden, sondern als komplexe, alle Teilneh-mer und Institutionen erfassende Transformation angesehen«( S. 473).Ob hier irgend etwas über die engen Zirkel esoterischer Expertenspra-che hinaus transferiert oder transformiert wird, darüber muss sich derLeser/ die Leserin selbst ein Bild machen.
Jens Wietschorke
Moritz Ege:» Ein Proll mit Klasse<<.
Mode, Popkultur und soziale Ungleichheitenunter jungen Männern in Berlin.
Campus: Frankfurt/ Main 2013, 531 Seiten
Ausgehend von einem Stück Stoff, der karottenförmigen Picaldi- Jeans,widmet sich Moritz Eges voluminöse Kulturanalyse, zugleich Dis-sertation an der Humboldt- Universität zu Berlin, einer komplexenjugend( sub) kulturellen Szene junger Männer in Berlin. Der Autorbeleuchtet dieses Figurierungsfeld aus einer Vielzahl unterschiedlicherPerspektiven.» Ein Proll mit Klasse«< ist nicht nur ethnografische For-schung, die akteurszentriert- emisch Lebenswelten erkunden will, son-