Jahrgang 
117 (2014) / N.S. 68
Seite
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Literatur der Volkskunde

Ute Frietsch, Jörg Rogge( Hg.): Über die Praxis deskulturwissenschaftlichen Arbeitens.

Ein Handwörterbuch(= Mainzer Historische Kulturwissenschaften,Band 15). Bielefeld: transcript 2013, 512 Seiten

Das hier angezeigte Handwörterbuch ist im Kontext des Forschungs-schwerpunkts Historische Kulturwissenschaften an der UniversitätMainz entstanden und versteht sich als grundlegender Beitrag zur Selbst-reflexion kulturwissenschaftlicher Praxis. Die Mitarbeiterinnen undMitarbeiter des Bandes kommen aus einem weiten Spektrum kultur-wissenschaftlicher Fachdisziplinen von der Ägyptologie bis zur Wissen-schaftsgeschichte, und auch die Europäische Ethnologie ist mit Textenvon Michael Simon, Markus Tauschek und Thomas Thiemeyer vertre-ten. 84 alphabetisch angeordnete Artikel stecken das weite Feld kultur-wissenschaftlichen Arbeitens ab: Dabei finden sich vor allem Beiträge zuMedien wissenschaftlicher Kommunikation( etwa zu Abbildung, Abstract,Ausstellung, Diagramm, Gutachten, Lehrbuch, Museum oder Twitter) sowiezu zentralen Kulturtechniken( wie Beschreiben, Dekonstruieren, Experimen-tieren, Notieren, Periodisieren, Sammeln, Vortragen oder Zitieren). Die Aus-wahl der Stichwörter ist innovativ und stimmig; sie umfasst nicht nur diemateriellen Bedingungen kulturwissenschaftlicher Praxis angefangenbeim Hörsaal und der Café/ teria, sondern eben auch die methodologi-schen und epistemologischen Aspekte, die umfassend deutlich machen,>> wie Kulturwissenschaften praktiziert und gemacht werden«<( S. 1).

Tatsächlich finden sich in diesem Band zahlreiche Texte, die gute undoriginelle Einsichten in die Prozesse und Logiken des Wissenschafts-betriebs wie der kulturwissenschaftlichen Wissensproduktion bieten.Hannu Salmis Artikel zur Interpretation oder zum Kanon sind nichtnur Meisterstücke stilistischer Klarheit( die Texte sind aus dem Engli-schen übersetzt), sondern vor allem präzise und anregende Skizzen zumThema. Das Gleiche kann beispielsweise über die Beiträge Beschrei-ben Beschreibung( Andrea Albrecht), historisches Erzählen( ChristofDejung) oder Historisches Material( Achim Landwehr) gesagt werden,die wichtige Momente des kulturwissenschaftlichen Erkenntnispro-zesses thematisieren. Verständlich und informativ führt auch ThomasThiemeyer in die Formate Ausstellung und Museum ein; Julia Herz-berg liefert hochinteressante Überlegungen zum Umgang mit dem For-

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