148 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2
Bjarne Stoklund 1928-2013
Am 3. Mai 2013 ist Bjarne Stoklund verstorben. Mit seiner Kopenhage-ner Antrittsvorlesung Zwischen Skylla und Charybdis war er in Fachkrei-sen bekannt geworden, weil sie seismographisch die Situation seines undunseres Faches charakterisiert hatte. Gewiss auch, weil dieser Text 1971in der von Nils- Arvid Bringéus betreuten Zeitschrift Ethnologia Scan-dinavica, wie viele andere damals, in deutscher Übersetzung erschienenwar. Stoklund war damals auf den Lehrstuhl für Materielle Volkskul-tur an der Kopenhagener Universität berufen worden. In Skandinaviengab( und gibt es) zwei Fächer, die mit unserem Metier verbunden sind:Neben der Ausrichtung auf materielle Kultur als eigenes Fach die Folk-loristik. Es war kein Zufall und nur konsequent, dass der Name seinesInstituts bald in Europäische Ethnologie geändert wurde. Mit dem seitArnheim 1956 diskutierten Fachbegriff Ethnologia Europaea ist zugleichein Wirkungsfeld Stoklunds angesprochen. Denn über lange Jahre, von1984 bis 2004, hat er als Herausgeber, seit 1988 gemeinsam mit deminzwischen für unser Fach verschollenen Péter Niedermüller, die Zeit-schrift Ethnologia Europaea gestaltet und auf ihrem europäischen Kurs inhohem Ansehen gehalten.
Der Text der Antrittsvorlesung beschreibt die Gegenwartswis-senschaft Europäische Ethnologie als eine interdisziplinäre und dabeidie Gegenwart historisch herleitende Kulturforschung, die sich an dermateriellen Kultur orientiert. Das hängt mit Stoklunds beruflichemWerdegang und seinem frühen Interesse für die Archäologie zusammen.Stoklund war seit 1958 über lange Jahre der III. Abteilung des Kopen-hagener Nationalmuseums zugeordnet gewesen, und dort hatte er es inder Tat mit materieller Kultur zu tun. Schon als Student war er mit derInventarisierung alter Gebäude beschäftigt. Von dieser Erfahrung desAbbauens, des Zerlegens und des Erforschens und Wiederaufstellenshistorischer Bauten einerseits, dann aber ihrer historisch- kulturellenKontexte, die sie im Kopenhagener Freilichtmuseum Sorgenfri überdie Zeiten hinweg hatten und dort( wie anderswo) zugedacht beka-men, waren viele seiner wissenschaftlichen Arbeiten inspiriert. In demschmalen Handbuch Bondegard og Byggeskik( 1972) orientiert ein instruk-tiver Text darüber, was die Europäische Ethnologie mit Bauernhäusernanfangen kann.