Chronik der Volkskunde
darin die Überzeichnung der Bedeutungen der alltäglichen Dinge sowiedie» unglaubwürdige Fokussierung auf die hochgeschätzten Dinge«, dieallein in ihrer emotionalen und gesellschaftlichen Dimension und sozia-len Wirksamkeit relevant erscheinen. Dabei forderte Hahn eine größereKomplexität in der Wahrnehmung des oft in den Hintergrund geratenenpraktischen Umganges mit den» geringen« und alltäglichen Dingen.
Der 39. Kongress der dgv zeichnete sich durch ein interessantes, aberauch dicht gedrängtes Programm aus, weshalb es den TeilnehmerInnenkaum möglich war, das Angebot wahrzunehmen und auch die NürnbergerMuseen zu besuchen- etwas bedauerlich, denn diese hätten das Themader Materialisierung von Kultur im praktischen Sinne abgerundet.
Elisabeth Kosnik
Circulation 11. Internationaler Kongress
der Societé Internationale d'Ethnologie et de Folklore( SIEF)vom 30. Juni bis zum 3. Juli 2013 in Tartu
Im Vergleich zum letzten SIEF- Kongress 2011 in Lissabon fiel der letzt-jährige, der vom 30. Juni bis zum 3. Juli 2013 in Tartu stattfand, deutlichkleiner aus allerdings mit über 400 Vorträgen in mehr als 60 Panels imVergleich zu anderen Tagungen immer noch groß genug. Der Grund fürden geringeren Zulauf dieses Kongresses mag nicht zuletzt der Tagungs-ort gewesen sein, den vielleicht nicht alle in ihrer mentalen LandkarteEuropas sofort lokalisieren können und der in der Tat auch weitausweniger gut an das internationale Fernverkehrsnetz angeschlossen ist,als man das von den meisten Tagungsorten gewohnt ist. Diejenigen, dieden Weg trotzdem auf sich genommen haben, haben allerdings nicht nurgroße Gastfreundschaft, sondern auch eine aus ethnologischer Perspek-tive in vielfältiger Weise überaus spannende Umgebung vorgefunden.
Estlands bewegte Geschichte äußert sich heute in einer großen Hete-rogenität. Die architektonische Gestalt der Stadtzentren der Universi-tätsstadt Tartu und der estnischen Hauptstadt Tallinn zeugt von der seitdem Mittelalter und bis ins 18. Jahrhundert andauernden Herrschaft desDeutschen Ordens sowie Dänemarks und Schwedens. Die geographi-
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