Jahrgang 
117 (2014) / N.S. 68
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Chronik der Volkskunde

Forschungsgemeinschaft( SODFG) die sich aus Historikern, Geogra-phen, Germanisten und Volkskundlern zusammensetzte und ihrenAusgangspunkt in Wien unter Beteiligung anerkannter Forscherpersön-lichkeiten gesetzt hatte. Eine zentrale Stellung innerhalb dieser Orga-nisation, die die Politik der Eroberung und Schaffung von deutschemLebensraum im Osten und Südosten Europas wissenschaftlich unterfüt-terte, nahm der Kulturgeograph und Volkstumsforscher Hugo Hassin-ger ein. Dessen Wirken und Wissensproduktion speziell im Zeitraumvon 1931 bis 1945, war zunächst von geheimen und getarnten Studienin deutschen Siedlungsgebieten, in der Kriegszeit dann von Daten- undKartendiebstählen in besetzten Gebieten und der Beteiligung an Um-und Aussiedlungsplänen mitgeprägt. Svatek meinte abschließend, dassHugo Hassinger und seine Mitstreiter ihre Forschungen politisch aus-gerichtet verstanden und auch keine Hemmungen besaßen, der Politikauf Anforderung entsprechende wissenschaftliche Ergebnisse zur Ver-fügung zu stellen.

Insgesamt zeigten die Vorträge des Nachmittags, dass dieHandlungs( spiel) räume im Nationalsozialismus für ideologiekonformePersonen und Einrichtungen ungeahnte Entfaltungsmöglichkeitenboten. Wie Elisabeth Timm in ihrem Abschlussstatement festhielt,zeigten die Studien, dass Volkskunde und Geographie nicht missbrauchtwurden, sondern sich ganz gezielt von selbst beteiligt haben, schon inder Zeit vor dem Anschluss. Österreichische Wissenschaftler aus diesenFachbereichen konnten sich geradezu als Experten für den Ost- und Bal-kanraum präsentieren und wurden auch so wahrgenommen. MitchellAsh wies in seinem Statement ebenfalls darauf hin, dass Wissenschaftund Politik füreinander Ressourcen darstellten. Die Wissenschaftlerbedienten sich der Politik und umgekehrt. Timm als auch Ash lenktendie Abschlussdiskussion aber auch auf die Frage: Was hatte das für dieZeit nach 1945 zur Folge?

Nach einer ausführlichen Abschlussdiskussion nahm der Workshopein für alle Beteiligten inspirierendes Ende. Der Versuch, das Thema» 1930-1950. Volkskunde- Museum Stadt in den Vorträgen eherzu umkreisen, mit kontrastierenden oder scheinbar peripheren Inhaltenzu konfrontieren, kann als durchaus gelungen angesehen werden. Manfühlte sich zeitweise irritiert von der Heterogenität der hergestelltenBezüge, aber den KommentatorInnen der Beiträge gelang es immer wie-der, rote Fäden zu spinnen und die Gedanken und Gespräche auf sinn-

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