Jahrgang 
117 (2014) / N.S. 68
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2

Diese Inszenierungen, in denen utopische Sehnsüchte nach demLändlichen und Heimatlichen in Form von Gesängen, Spielen und Ver-kleidungen befriedigt wurden, waren Bestandteile urbaner Unterhal-tungskulturen und unterhielten zumindest in Wien gleichzeitig starkeVerbindungen zur akademischen Volkskunde und deren Wissenspro-duktion, die damit eine durchaus machtvolle Position erlangte. DieKommentare von Siegfried Mattl und Brigitta Schmidt- Lauber zu denVorträgen verwiesen unter anderem auf den Punkt der Machtverhält-nisse, auf politische Kontexte, auf Beheimatungstendenzen und auf Ver-bindungen und Unterschiede zwischen den städtisch- volkskulturellenMilieus in Wien und Berlin.

Den letzte Nachmittag des Workshops leitete Birgit Johler mit demVortrag» Zu den kriegswichtigen Aufgaben des Museums für Volks-kunde im Nationalsozialismus. Konstruktionen, Handlungen, Ver-mittlungen«< ein. Obwohl Leopold Schmidt dem Werden und Wesendes Wiener Museums ein eigenes Buch gewidmet hat, blieb, wie Joh-ler betonte, die Zeit des Nationalsozialismus über die Jahrzehnte inden Darstellungen des Museums weitgehend ausgespart. In den Mit-telpunkt ihrer Ausführungen stellte sie die Handlungen des damaligenMuseumsdirektors Arthur Haberlandt, der mit der nationalsozialisti-schen Machtergreifung eine» transnationale Karriere« startete. WenigeWochen nach Kriegsbeginn konnte er im Auftrag des von HermannGöring eingesetzten Sonderbeauftragten für Kunst- und Kulturgegen-stände mit Sammlungs- und Objektbegutachtungstätigkeiten im erober-ten Polen beginnen. Er folgte anschließend als Mitarbeiter des Einsatz-stabes Reichsleiter Rosenberg den Erfolgen der Wehrmacht in Ost- undSüdosteuropa, erkannte darin die Chance, das Museum wieder zu einemzentralen ethnografischen Museum zu transformieren, stieg in der Hie-rarchie des ERR zum» Obereinsatzführer« auf und taktierte geschicktin der Beschaffung von Geldern und Tätigkeiten, die als>> kriegswichtig<<eingestuft wurden. Letztere bewahrten ihn davor, selbst am Kriegsge-schehen teilnehmen zu müssen. Johlers Resümee: Haberlandt wusstedas NS- Regime mit seinen Strukturen und Möglichkeiten für seineeigenen Forschungs- und Sammlungstätigkeiten gut zu nutzen. SeineKarriere gründete dabei auf ein Netzwerk, das in weiten Teilen schonvor 1938 angelegt war.

Die Wiener Wissenschaftshistorikerin Petra Svatek beleuchtete dieKontinuitäten und Wandlungen der Arbeitsweise der Südostdeutschen