Chronik der Volkskunde
Ort in der Stadt- so Köstlin wurde Volkskultur verhandelt, kam eszur Erdung städtischer Kreise über die Praktiken des Trachtentragens,Volkstanzens, Liedersingens u.v.m. Die behandelten Fachinhalte folgtendemnach den Affinitäten der Forscher und Hobbyvolkskundler und zurPraxis gehörte auch die Liebe, die Obsession zu den Leuten und Din-gen. Köstlin bezeichnete das Volkskundemuseum als» Wärmestube desEigenen«<, als eine Art Lagerfeuer, um das sich bürgerliche Avantgardensammelten.
In ihrer Einführung in den Workshop präsentierten Birgit Johlerund Magdalena Puchberger ihre bisherigen Forschungen im Rahmendes FWF- Projektes, das erst die Möglichkeit eröffnete, sich mit denAkten- und Archivunterlagen der Museumsleitung intensiv auseinanderzu setzten. Sie betonten die Wichtigkeit des Workshops für die inhalt-liche, methodische und theoretische Erweiterung ihrer Studien. Sie wie-sen darauf hin, dass die 1930er Jahre von der Zusammenführung aka-demischer Kreise mit völkischen Vereinen und Verbänden im Museumgeprägt waren, aus dem sich ein für die kommenden Jahre einflussrei-ches Netzwerk von Akteuren bildete. Der Direktor des Hauses, ArthurHaberlandt, war demnach eine Person, die sowohl mit dem Austrofa-schismus als auch mit den Nationalsozialisten in Deutschland erfolg-reich kooperierte. Vielsagend waren die Hinweise, dass etwa in der Zeitvon 1934 bis 1938 über 200 Veranstaltungen von völkischen Verbändenund Jugendgruppen im Museum stattfinden konnten oder sich mit demAnschluss Österreichs das Museumsbudget im Vergleich zu den Vorjah-ren verzehnfachte.
Lioba Keller- Drescher vom Tübinger Institut für empirische Kul-turwissenschaften skizzierte im Folgenden Aspekte historisch- ethno-grafischer Wissensforschung unter dem Titel» Lost World oder Etwashat überlebt?« Als zentralen Aspekt befasste sie sich mit den Begriffen» Überrest«,» Überbleibsel«,» Survival«, die um 1900 zu wissenschaftli-chen Treibmitteln der Volkskunde und anderer nahestehender Fächergeworden waren. Die zugeschriebene Wissenskompetenz bezüglich derÜberreste vergangener Zeiten ließ nach Keller- Drescher die Volkskundeerst zur eigenständigen Wissenschaft werden.
Der Grazer Kulturwissenschaftler Michael Greger wandte sich inseinem Vortrag einem» Besessenen« des Sammelns und Dokumentie-rens von materiellen und immateriellen Überbleibseln zu. RomualdPramberger, seines Zeichens Pater des Stiftes St. Lambrecht, den Greger
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