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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2
gnügen darin, mir die darin geschilderten Ereignisse und mehr noch dieSchattierungen( des Lichts, der Stimmung, der Laune), die ich dadurchnachvollziehen kann, ins Gedächtnis zu rufen.« 29 Und dieses» Vergnü-gen<< hat einen Grund, der wenig mit der gängigen Vorstellung des Tage-buchs als Versuch möglichst vollständigen inhaltlichen Reminiszierenszu tun hat:>> Kurioserweise vollzog ich beim Lesen nicht das Geschrie-bene am besten nach, sondern die Zwischenräume der Eintragung; zumBeispiel das Grau der Rue de Rivoli, während ich auf den Autobus war-tete...< 30
Autographische Erinnerung
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Vielleicht verdankt sich und dahin führt mich diese Bemerkung- derNachvollzug solcher» Zwischenräume«, jene» Wiederauferstehung« vonEmpfindungen, die»> immer neben der gesagten Sache[ geschieht]« ³¹, nichtzuletzt dem Medium der Handschrift, der Gedächtnisspur des Autogra-phischen. Und vielleicht kommen auch bestimmte» Materialitäten desDiaristischen<«< 32 solcher handschriftlichen Produktion von Erinnerungbesonders entgegen. Zu denken ist da etwa an» vorgeformte Textträger<<wie Kalender oder Haushaltsbücher, deren» vorgedruckte strikte Rah-mung«< 33 die tägliche Textmenge limitiert und zur meist schlagwortar-tigen Aufzeichnung in oft semantisch blasser Qualität zwingt. Bei sol-chem Verfahren des Tagebuchschreibens geht es nicht, oder doch nichtvorrangig, um die Schilderung von Erlebtem: Festgehalten werden inder Regel lediglich Termine, Namen, bestenfalls bestimmte Auffällig-keiten etwa meteorologischer Natur; und zuweilen grenzen sich solcheEintragungen eines» Tagebuchs«(» dieses mehr oder weniger ständigen
29 Ebd., S. 390 f.
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Ebd., S. 400 f. Ähnliches wird angedeutet von einer Bemerkung Franz Kafkas:>> Wenn ich etwas sage, verliert es sofort und endgültig die Wichtigkeit, wenn iches aufschreibe, verliert es sie auch immer, gewinnt aber manchmal eine neue«( zit.ebd. S. 403).
31 Ebd., S. 401[ Hervorheb. im Orig.].
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Li Gerhalter: Materialitäten des Diaristischen. Erscheinungsformen von Tage-büchern von Mädchen und Frauen im 20. Jahrhundert. In: L'Homme 24, 2, 2013,
S. 53-71.
Ebd., S. 59.