Herbert Nikitsch, Handschrift und Tagebuch
verstehen ist>> as a meaningful act in itself«". Der» magische Spiegel derSchrift«<, von dem Stefan Zweig gesprochen hat¹², kann dabei Erlebenund Erfahrung reflektieren, die» eindringliche Geste des Schreibens<< 13kann spontaner Ausdruck eindrücklicher Stimmungslagen sein¹4— undso auch konkretes Medium konkreter Erinnerung. Denn wie dasSchriftbild den>> emotionalen Einsatz, der hinter der Handschrift steht«,spiegeln und sich so die Handschrift» durch ihre Form den Gedächtnis-inhalten einschreiben« kann15, so kann andererseits Handschrift durchihre Form die Gedächtnisinhalte manchmal gerade erst zum Sprechenbringen, kann zeigen, wie» Körper und Geschichte sich verschränken«und» wie der Körper von der Geschichte durchdrungen ist<< 16anderen Worten: Handschrift kann Erinnerung hervorrufen.
mit
Tagebuch
Zur Illustration dieses Verhältnisses von Schreiben und Erinnern alsder Produktion von Erinnerung durch das» verkörperte« Engrammdes Handschriftlichen will ich das Tagebuch hernehmenjene Formichbezogener Kommunikation mit sich selbst, wie sie, zumindest inautographischer Form", ebenfalls nur mehr selten in Gebrauch ist, die
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Ebd., S. 34 f.
Stefan Zweig: Sinn und Schönheit der Autographen. In: Oliver Matuschka( Bearb.): Ich kenne den Zauber der Schrift. Katalog und Geschichte der Autogra-phensammlung Stefan Zweig. Mit kommentiertem Abdruck von Stefan ZweigsAufsätzen über das Sammeln von Handschriften(= Antiquar INLIBRIS, Kat. 15).Wien 2005, S. 138.
Flusser 1994( wie Anm. 3), S. 39.
Dazu Weiteres bei Herbert Nikitsch:» Ein Ausruf hatte die Hand geführt...<<Zur autographischen Visualisierung kleiner Transzendenzen. In: Marion Meyer,Deborah Klimburg- Salter( Hg.): Visualisierungen von Kult. Wien, Köln, Weimar2014, S. 60-73.
Fetz 1999( wie Anm. 9), S. 85.
Um ein Wort Foucaults zu verwenden, zit. bei Stingelin 2004( wie Anm. 4), S. 11.Gewissermaßen als Vorform heutiger digitaler» Blogs«( die allerdings sämtlichzur Veröffentlichung bestimmt und auf Kommunikation mit anderen ausgerichtetsind), s. Tine Nowak: Vom Blatt zum Blog. Der Medienamateur und das digitaleTagebuch. In: Helmut Gold u.a.( Hg.):@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Web-log. Heidelberg 2008, S. 51–63.
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