Aufsatz in einer Zeitschrift 
Handschrift und Tagebuch : Bemerkungen zum auto-(bio)graphischen Erinnern
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVIII/ 117, 2014, Heft 1+ 2

jener» muskuläre Akt des Schreibens, des Buchstabenziehens[...], mitder die Hand ein Schreibwerkzeug ergreift[...], es auf eine Oberflächedrückt, darauf vorrückt[ und] regelmäßige, wiederkehrende, rhythmi-sche Formen zieht«< 5.

Schrift wird so im Weiteren nicht bloß als Notationssystem gesehen,als>> Speichermedium«, das der Gedächtnisstütze, der interaktionsfreienKommunikation, der Archivierung dient. Schrift soll hier beim Wortgenommen werden: als individuelles Schreiben, als konkreter autogra-phischer Ein- und Ausdruck, der mehr ist als nüchternes Festhalten vonInformation, mehr als deren Fixierung. Schreiben also als Prozess, der>> sich nicht auf die Herstellung von Texten reduzieren« lässt, Schrei-ben im Kontext des» materiellen Buchstaben-, Wort-, Schrift- und/ oderSeitenbilds und damit als eine Praxis,» deren Sinn nicht außerhalbihrer selbst liegt«<, bei der» the value of an utterance lies not only inwhat it says but in the fact that it is written«< 10, bei der der Schreibakt zu

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senden Säkulum<<. Schreibszenen im Zeitalter der Manuskripte(= Zur Genealogiedes Schreibens, 1). München 2004, S. 7-21, hier S. 14.

So Roland Barthes in: Variations sur l'écriture( 1973), zit. und übersetzt von Stin-gelin 2004( wie Anm. 4), S. 13.- Hier ist sicher auch zu berücksichtigen die unter-schiedliche Wirkung des Schreibzeugs- ob es sich also dabei etwa um einen lang-sam- eingravierenden Bleistift, einen rasch- oberflächlich gleitenden Kugelschreiberoder eine oft feierlich- bedächtig geführte Füllfeder handelt. Es gilt wohl zuweilentatsächlich, dass>> unser Schreibzeug mit unseren Gedanken arbeitet«<, s. MartinStingelin:>> Unser Schreibzeug arbeitet mit unseren Gedanken«<. Die poetologischeReflexion der Schreibwerkzeuge bei Georg Christoph Lichtenberg und FriedrichNietzsche. In: Lichtenberg- Jahrbuch 1999, S. 81-98.

Aleida Assmann: Schrift. In: Nicolas Pethes, Jens Ruchatz( Hg.): Gedächtnisund Erinnerung. Ein interdisziplinäres Lexikon. Reinbek bei Hamburg 2001,S. 526-529, hier S. 526.

Sandro Zanetti: Einleitung. In: Ders.( Hg.): Schreiben als Kulturtechnik. Grund-lagentexte. Berlin 2012, S. 7-34, hier S. 13.

Davide Giuriato, Stephan Kammer: Die graphische Dimension der Literatur? ZurEinleitung. In: Dies.( Hg.): Bilder der Handschrift. Frankfurt a. M., Basel 2006,S. 7-24, hier S. 7, Anm. 3.

Bernhard Fetz: Psychische Schrift. Am Beispiel von Ernst Jandls» stanzen«<.In: Wilhelm Hemecker( Hg.): Handschrift(= profile, 4). Wien 1999, S. 85-98,hier S. 87.

Béatrice Fraenkel: Writing Acts: When Writing Is Doing. In: David Barton, UtaPapen( eds.): The Anthropology of Writing. Understanding Textually MediatedWorlds. London, New York 2010, S. 33-43, hier S. 36.