Handschrift und TagebuchBemerkungen zum auto-( bio) graphischen Erinnern
Herbert Nikitsch
Handschrift
In diesen vorläufigen Überlegungen wird zu Sprache gebracht, was inProduktion und Rezeption recht selten und also fremd geworden ist.Mit der» Technisierung« der Schreibgeräte¹ hat sich» die schreibendeHand durch immer neue Vermittlungen zunehmend von der auf demPapier erzeugten Schrift entfernt« ², und heute hat fast vollends die Tas-tatur den Stift ersetzt, ist Handschrift zur beinahe» archaischen Geste<<geworden,» durch die sich eine Seinsweise äußert, die durch die techni-sche Entwicklung überholt ist« ³. Doch eben dieser Tatsache verdanktsich nicht zuletzt die Faszination des Autographischen in seiner Authen-tizität suggerierenden Anmutung: Auch wer dieser Anmutung nichtnaiv nachgeben will, wird sich kaum des Eindrucks von Unmittelbar-keit entziehen können, den die materiellen und körperlichen Begleitum-stände des Autographischen hinterlassen die» Mechanik«< des hand-schriftlichen Schreibens in ihrer Notwendigkeit,» sich eines Werkzeugsim Zusammenspiel mit einer Oberfläche bedienen zu müssen, um über-haupt ein Zeichen zum Ausdruck bringen zu können«*; die» Skription«,
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Zur Entwicklung der Schreibmediens. etwa Peter Stein: Schriftkultur. EineGeschichte des Schreibens und Lesens. Darmstadt 2006, v.a. S. 279-287; MartinStingelin( Hg.):» Schreibkugel ist ein Ding gleich mir: von Eisen«. Schreibszenenim Zeitalter der Typoskripte(= Zur Genealogie des Schreibens 2). München 2005;Ders.( Hg.):» System ohne General«<. Schreibszenen im digitalen Zeitalter(= ZurGenealogie des Schreibens, 3). München 2006.
Dieter Burdorf: Einführung in die Gedichtanalyse. Stuttgart, Weimar 21997, S. 41.Vilém Flusser: Die Geste des Schreibens. In: Ders.: Gesten. Versuch einer Phäno-menologie. Frankfurt a. M. 1994, S. 32-40, hier S. 32.
Martin Stingelin:> Schreiben<. In: Ders.( Hg.):» Mir ekelt vor diesem tintenkleck-