Aufsatz in einer Zeitschrift 
Neun Sterne für Warschau : das Generalgouvernement im Baedeker
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Jens Wietschorke, Neun Sterne für Warschau: Das Generalgouvernement im Baedeker

mitteln die Hinweise des Reisehandbuchs immer auch. Gezeigt wirdeine Infrastruktur in the making: Deutsche Gaststätten sind meist schonvorhanden,»> vielfach neu erbaut und vorbildlich eingerichtet, häufig inniederdeutschem Stil«.23 Hotels, Behörden, Parteizentralen, Forschungs-einrichtungen sind als Anlaufstellen für deutsche Reisende hervorgeho-ben, stets verbunden mit dem Hinweis, dass man hier bald mehr erwar-ten dürfe. Vorläufig aber vermittelt der Baedeker noch den Eindruckeiner Landschaft als Feindesland: Vorsicht ist hier allerorten geboten.

Wenn die Kulturgeschichte des Reisens als eine Geschichte der Neu-gier, des Kulturkontakts, des Austauschs von Erfahrungen und Ideen,des interkulturellen Lernens und des offenen Blicks beschrieben wordenist, 24 dann repräsentiert Baedekers Generalgouvernement deren genauesGegenmodell: ein Reisen mit heruntergeklapptem Visier, das zwar diemateriellen Hinterlassenschaften deutscher Geschichte aufsucht, denKontakt mit den Menschen aber notwendig auf ein Minimum redu-zieren muss. Als ein befremdlicher Kontrapunkt zu der im Band ausge-breiteten Erfolgsgeschichte des» Deutschtums im Osten«< liest sich etwader praktische Hinweis darauf, dass für deutsche Reisende im General-gouvernement auf längeren einsamen Strecken und bei Nachtfahrtenderzeit» die Mitnahme einer Waffe ratsam« sei. 25 Ebenso befremdlichklingt die Warnung, von den zahlreichen Sommerfrischen in den Bes-kiden seien erst sehr wenige» für deutsche Besucher aufnahmebereit«<. 26Es sind kategorisch unvereinbare Parallelwelten, die hier aneinander-stoßen: Dem Deutschen ist, wie behauptet wird,» die slawische Weltfremd«<, 27 die polnische Sprache nur schwer zugänglich. Einzig durchdie Lehnwörter angeblich im Durchschnitt 17 von 100 hat dieseeinen vertrauten Klang, was den prägenden Einfluss der Deutschen imOsten belegen soll. Nicht der Kulturtransfer in einer wichtigen mittel-europäischen Kontaktzone, sondern die strenge Scheidung und Unter-scheidung zwischen den Nationalitäten, zwischen Reichsdeutschen und

23 Ebd., S. XIX.

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24 Vgl. z. B. Justin Stagl: Eine Geschichte der Neugier. Die Kunst des Reisens 1550-1800. Wien, Köln, Weimar 2002; Hermann Bausinger, Klaus Beyrer, GottfriedKorff( Hg.): Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus. München

1991.

Baedekers Generalgouvernement( wie Anm. 2), S. XVI.

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Ebd., S. XVII.

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Ebd., S. XI.

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