Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das Antlitz der Andacht : zum Bedeutungswandel der religiösen Szene: Gebärde und Manier
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Martin Scharfe, Das Antlitz der Andacht

eines Hufschmieds, in die Ehe trat mit dem englischen Botschafter amHof von Neapel, Sir William Hamilton, und die übrigens später neben-her eine Liaison einging mit dem berühmten Admiral Nelson, dem siezwei Töchter gebar; geboren ist sie im Jahr 1765, gestorben 1815.54

Lord Hamilton war ein offenbar fanatischer Sammler antiker Kunst-werke( es war die Zeit der ersten systematischen Ausgrabungen in Pom-peji) und zeigte diese in seinem Hause; und angesichts der schauspie-lerischen und tänzerischen Fähigkeiten seiner schönen Frau mochte esnaheliegen, die berühmtesten der klassischen Skulpturen als lebende Bil-der nachzustellen; später dehnte Lady Hamilton ihr Programm auch ausauf seinerzeit berühmte barocke Gemälde und ihre Figuren. Die Vorfüh-rungen, die von allen berühmten deutschen> Römern< besucht wurden( Goethe, Moritz, Tischbein undsoweiter), fanden anfangs mit, späterohne Rahmen statt- bei sparsamer Beleuchtung, mit wenig Requisi-ten( von denen das wichtigste ein feines Halstuch war). Diese Posennach Kunstwerken bezogen ihren Reiz zum einen aus der Erstarrungder Bewegung zur Statue und umgekehrt: von der sich in Bewegungsetzenden Statue; es wird von erschütterten Reaktionen des Publikumsberichtet. Ein anderes Programm aber reihte verschiedene klassischeFiguren in mimetischem Fluß aneinander, führte also so hat es einitalienischer Künstler in der Zeichnung festzuhalten versucht( obwohl,muß man anachronistisch anmerken, der Film das angemesseneMedium gewesen wäre)- von der Pose der stillen Andacht zum Gebet,zum gesteigerten, händeringenden Gebet, zum flehentlichen Gebet imKnien- und von da aus abrupt zur heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Quellnymphe mit Was-sergefäß, dann sofort zur christlichen büßenden Magdalena mit dem Sal-bengefäß und von ihr zur tollen, betrunkenen Bacchantin, welcher derWeinkrug wegrollt.55

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Diesen frappierenden Umschlag der Bedeutungen bei verwandtenund nur unwesentlich variierten Physiognomien und Gebärden kennt-lich gemacht zu haben, ist ein ganz wesentlicher Beitrag des Attitüden-Experiments auch andere Künstler haben versucht, die heimliche Spurdes>> borrowing<< zu finden( nämlich der äußerlichen, sichtbaren Nähe

54 Vgl. dazu und zum Folgenden Ulrike Ittershagen: Lady Hamiltons Attitüden.Mainz 1999.

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Ebd. S. 58 und Abb. 17 auf S. 112: Pietro Antonio Novelli: The Attitudes ofLady Hamilton.

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