Aufsatz in einer Zeitschrift 
Metamorphische Prozesse : der kuratierte Konsum, das Sammeln und die Museumsobjekte
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Gudrun M. König, Metamorphische Prozesse

Frühjahrs- und Herbstreisen als Handelsvertreter im Zentrum Europasvon Luxemburg bis Schweden extrem verdichtet.

Spiegelhalder thematisiert seinen Initiationsakt als systematischerSammler als Ergebnis eines zufälligen Besuchs im Berliner Volkskunde-museum des Jahres 1890.36 Von da an pflegte er seine Museumskontaktesystematisch, studierte Auktionskataloge und heuerte Gewährsleute zumSammeln an. Spiegelhalder war gut, aber nicht akademisch ausgebildetund lernte durch Anschauung auf seinen Reisen, durch Museumsbesu-che, Sammlerfreunde, Ausstellungsbesuche und wissenschaftliche Litera-tur. Mit den Strategien und Praktiken des musealen und kommerziellenZeigens seiner Zeit war er außergewöhnlich gut vertraut. Im Frühjahr1897 reiste er von Dresden über Prag nach Wien. Er besuchte in dreiTagen zweimal das Museum für Österreichische Volkskunde und imBurgtheater das Stück Bürgerlich und Romantisch von Eduard von Bau-ernfeld. Er wurde Mitglied im Verein für Österreichische Volkskunde,klebte drei Eintrittskarten in das Statutenheft und studierte intensivden Museumskatalog von Michael Haberlandt.37 Er machte sich Rand-notizen und Zeichnungen, so dass ersichtlich wird, wie er sich von denObjekten und der Zusammenstellung der Sammlung inspirieren liess:>> Haben wir das?«<, lautet seine Notiz im Pluralis Majestatis neben derKatalognummer 3807 den» Taufschuhen aus Seidenbrokat«<. 38 Er notierteihm fehlende Objekte, zeichnete den Grundriss einer Stube auf die Rück-seite und befestigte seine Mitgliedskarte des Jahres 1897 vorn und die derJahre 1898 und 1899 hinten auf die Innenseiten des Katalogs. ObgleichOskar Spiegelhalders Absichten der Zusammenstellung einer Schwarz-waldsammlung galten, holte er sich seine Anregungen aus den Museender europäischen Metropolen. Sein Sammeln weist über die Regionhinaus und wirkt auf sie zurück. Neben den Objekten, die ihm zuge-tragen wurden und die er über ein System von Gewährsleuten erwarb,wechselten andere von einem Sammelkontext professionell bewahrenderAttitüde in einen prämusealen Sammlungskontext, denn sie waren bei

36 Vgl. Besucherbuch der Sammlung Spiegelhalder; Stadtarchiv Villingen- Schwennin-gen, Best. 2.42.1 Nr. 1-8, S. 2.

37

Michael Haberlandt: Katalog der Sammlungen des Österreichischen Museumsfür Volkskunde in Wien. Wien 1897. Stadtarchiv Villingen- Schwenningen, Privat-bibliothek Spiegelhalder V 71.

38 Vgl. König 2015( wie Anm. 35), S. 35-60, hier S. 55.

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