Aufsatz in einer Zeitschrift 
Metamorphische Prozesse : der kuratierte Konsum, das Sammeln und die Museumsobjekte
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Metamorphische Prozesse.

Der kuratierte Konsum, das

Sammeln und die Museumsobjekte

Gudrun M. König

Der Aufsatz nimmt aktuelle Tendenzen eines kuratierten Konsums zum Anlass, umdas Verhältnis von Museums- und Warenwelt zu reflektieren. Vor dem Hintergrund einerAnthropologie der Dinge werden Gestalt-, Bedeutungs- und Ortsveränderungen alsEffekte musealer Praktiken verstanden. Das Changieren zwischen flüchtigen Bedeutungen,veränderlichen Konzeptionen und Funktionswandel der Museumsdinge, so die These,kann durch den Begriff der metamorphischen Prozesse beschreibbar gemacht werden.

Anlass der folgenden Überlegungen ist die Übernahme der Eisenwaren-handlung Klimesch in das Wiener Volkskundemuseum. Ein Ensemble anDingen, Mobiliar, Waren und Gerätschaften, wird konserviert. Vergan-gene Handelspraktiken und Warenästhetiken auferstehen im Museum,sie haben in der ökonomischen Sphäre ausgedient und sind in die muse-ale eingetaucht.¹

Bei diesem Wandern der Waren, dem Zirkulieren von Dingen,Ästhetiken und Zeigepraktiken zwischen beiden Sphären ist die Fragezu stellen, ob die Dinge vom Sammeln zum Forschen und Ausstelleneine Metamorphose, eine Verwandlung durchlaufen. Es geht daher zumeinen um die Spezifik des musealen Objektverständnisses und zum ande-ren um historische und aktuelle Verbindungen zwischen Konsum undMuseum. Kontrastiv kreist das Nachdenken zum einen um eine volks-kundliche Privatsammlung der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert undzum anderen um aktuelle Transformationen in der Warenwelt.

1

Diesem Text liegt ein Vortrag zur Generalversammlung des Vereins für Volkskundein Wien im März 2015 sowie erste Überlegungen bei der Jahrestagung der westfäli-schen Kommission für Volkskunde im Oktober 2014 zu Grunde.