Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Teilen, tauschen, helfen?« : zur urbanen Kollektivnutzung von Kleidung
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Heike Derwanz,»> Teilen, tauschen, helfen?<<

hatte ich das Problem, sie wieder abgeben zu müssen, wie einer vonmehreren Feldforschungstagebucheinträgen( 6.6.2014) zeigt:» Ich machemich mit dem Gedanken bekannt, dass ich das Hemd abgeben werde.Ich nehme es allerdings ungebügelt mit und bringe dies als Ausrede vor,um es nicht abgeben zu müssen. Im Laufe des Monats und des Sommersringe ich mich aber dazu durch, das Hemd abzugeben.<< Am 22.11.2014notiere ich:» Zu Hause habe ich noch meine blaue Bluse. Wir gucken indas Buch und sehen, dass ich sie am 10. März ausgeliehen habe. Ich sage,dass es sonst gut klappt mit dem Zurück- Geben, nur eben mit der Blusenicht. Sie sagt, dass sie schon Bescheid sagen, wenn sie sie zurück wollen,dass es aber kein so erfolgreiches Stück ist.«< Die Initiatorinnen der Klei-derei beurteilen aufgrund von Ausleihen und Gesprächen die Kleidungs-stücke als sehr gefragt und weniger gefragt, die KundInnen entscheidenso indirekt mit, wie lange einzelne Personen ein Kleidungsstück behaltendürfen. Dies unterscheidet die Praxis von dem von Belk als» pseudo-sharing« bezeichneten kurzzeitigen Leihen, wofür das Wort» sharing«<häufig benutzt wird.54 Diese ausweitbaren Regeln haben sich kollektivim Entwicklungsprozess herausgebildet, unterstützt durch die Tatsache,dass die NutzerInnen miteinander persönlich bekannt waren. Ist dieserZugang zunächst klassenlos und offen als ein großer Freundeskreis mitReferenzpersonen der Kuratorinnen gedacht, kann die soziale Schwellezum Betreten des Raumes durch das Vorherrschen eines bestimmtenKörperbildes, eines Alters und einer intellektuellen- boheme- Ästhetikjedoch hoch sein.( Abb. 4) Die Abo- Gebühr ist ein zusätzlicher monatli-cher Aufwand für Kleidung und auch die Zeit, die zur Auswahl im Ladenverbracht wird. Hier greift deshalb eine typische Kritik an der SharingEconomy, die die Zielrichtung als» cater far more towards those whohave means then those who don't« 55 beschreibt. Das Kollektiv bestehthier aus einer räumlich sich begegnenden Zielgruppe eines Milieus, dieim Aussuchen und Stylen gemeinsam ästhetisch arbeitet und nacheinan-der die gleichen Kleidungsstücke leiht.

Wird im ersten Modell eine ökonomisch geordnete Gesellschaftfortgeschrieben, setzt sich das zweite Modell auf den ersten Blick über

54 Belk 2015( wie Anm. 14), S. 199-213, hier S. 204.

55 Agyeman, McLaren, Schaefer- Borrego 2013( wie Anm. 14), S. 23, oder Schor 2014( wie Anm. 50) S. 8.

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