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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIX/ 118, 2015, Heft 3+ 4
angesehen und weiter verwendet wurden, zu Wegwerfartikeln. Dasssich auch die Produktion auf eine kürzere Lebenszeit der Kleidung ein-stellte und gleichzeitig schneller produzierte, drückt sich in der Bezeich-nung Fast Fashion aus. 18 Gleichzeitig entstanden neue Infrastrukturenzu ihrem einfachen Abtransport aus den Städten. 19 Wie Susan Strasserin ihrem Buch Waste and Want zeigt, verschwanden in Amerika textilePraktiken wie Säumen und Färben sowie das Umsetzen von Krägen undManschetten. Stopfen und Flicken wurden seltene Tätigkeiten. Bereitsfür die Zeit vor der Weltwirtschaftskrise in den 1920er- Jahren konsta-tiert Strasser:>> Sewing was becoming a hobby.« 20. Durch diese Verän-derungen in den Alltagspraktiken²¹ und den Verlust der dafür notwen-digen Fähigkeiten wurden abgetragene Kleidungsstücke zu Müll. Lautder Studie von Heike Willigmann spielten in diese Entscheidung desWegwerfens bereits Ende der 1990er- Jahre die verminderte Qualitätund der Preis hinein. Sie beschreibt:» Schnell gekauft, fällt es ihr[ derInterviewpartnerin, Anm. H.D.] leicht, materielle und modisch veralteteSachen wieder durch neue auszutauschen und sich auf diese Weise neuenmodischen Strömungen anzupassen. Die Kürze der Beziehung zwischenihr und ihrer Kleidung verhindert eine persönliche Prägung und erleich-tert ihre schnelle und unkomplizierte Entledigung.« ²² Durch die staat-lich finanzierte und groß angelegte WRAP- Studie Benefits of Reuse. CaseStudy Clothing( 2011) wurden in Großbritannien quantitative Daten zum
18 Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: Fast Fashion. Ausstellungskatalog.Hamburg 2015.
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Ursprünglich unterscheidet man zwischen Bring- Systemen wie Containern undHol- Systemen wie die Säcke für Kleidersammlungen( Franziska Strobusch, BorisTerpinc: Zum Beispiel Altkleider- Wohin mit den Klamotten. Göttingen 1999,S. 117). Städte wie Dortmund bieten beispielsweise schon die Container für Beklei-dung gleich neben denen für Glas, Papier, usw. an. Gab es bisher noch von denanderen Rohstoffen getrennte Infrastrukturen, partizipieren jetzt auch die Städte andiesem Markt.
Susan Strasser: Waste and Want. A Social History of Trash. New York 199, S. 204.Hier ist sicher ebenfalls das viel häufigere Waschen und damit einhergehend dieVeränderung der sozialen Konstruktion von Sauberkeit zu nennen, wie sie gezeigtwerden von Shove 2003( wie Anm. 8) und Gudrun Silberzahn- Jandt: Wasch-Maschine. Zum Wandel von Frauenarbeit im Haushalt. Marburg 1991.
22 Willingmann 2001( wie Anm. 5), S. 166.