Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Teilen, tauschen, helfen?« : zur urbanen Kollektivnutzung von Kleidung
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Heike Derwanz,»> Teilen, tauschen, helfen?<<

Gebrauch von Kleidung zu tun haben, entsteht ein großes Netzwerk,welches in unterschiedlich komplexe Zirkulationskreisläufe eingebun-den ist. Die reduzierteste und neueste Variante der Zirkulation in derStadt der Closed Loop- lässt sich beobachten, wenn die Organisationvon Konsum und Entsorgung zusammen kommen, wie beispielsweisebei H& M.( Abb. 1) Im Rahmen der Kampagne» Don't let fashion go towaste<< nehmen alle Filialen in Deutschland seit April 2013 gebrauchteKleidung gegen einen Gutschein selbst wieder an. Die textilen Ressour-cen gehen damit vom Haushalt an den Hersteller zurück. Er bestimmt,was mit der gebrauchten Kleidung geschieht, und kann sie im bestenFalle für sich weiter nutzen.

Im Rahmen einer Feldstudie in Hamburg/ Wilhelmsburg im Februar2014 habe ich andere Akteure wie Änderungsschneidereien, Altkleider-container, Second- Hand- Läden und Umsonstläden, Give- Boxes, Online-Tauschringe und-foren wie Insel- Kleinanzeigen oder private oder öffent-liche Tauschpartys kennengelernt, die dieses Netzwerk geographisch undtemporär um ressourcensparende und teilweise solidarische Praktikenerweitern. Sie verlängern den Lebenszyklus der Kleidungsstücke direkt.In Strick- oder Nähclubs sowie Repair- Cafés in Wilhelmsburg treffensich Menschen, um ihre Kleidung selbst herzustellen oder zu verändern.Sie verlängern damit nicht nur den Lebenszyklus der Kleidung, sondernaddieren eine kollektive Komponente, die als Erweiterung emanzipativerDo- it- yourself- Praktiken als» Do- it- together« bezeichnet wird.10

Bisherige Forschungen in den Kulturwissenschaften", vor allem aberin den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, fokussieren auf den Kon-sum neuer Kleidung. Dabei gibt es aus historischer Perspektive¹² auchimmer mindestens einen zweiten Zyklus. In diesem wird Kleidung durch

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Helen Goworek et al.: Consumers' attitudes towards sustainable fashion, clothingusage and disposal. In: Miguel Angel Gardetti, Ana Laura Torres: Sustainabilityin Fashion and Textiles. Values, Design, Production. Sheffield 2013, S. 376-392.Während der Forschung habe ich an einem der beiden Strickclubs, dem Nähclubtürkischer Frauen und einem Repair- Kurs teilgenommen.

Critical Crafting Circle: Craftista. Handarbeit als Aktivismus. Mainz 2011.Z. B. Gertrud Lehnert: Mode. Theorie, Geschichte und Ästhetik einer kulturellenPraxis. Bielefeld 2013.

12 Beverly Lemire: The British Cotton Trade, 1660-1815. London 2009; KarenTranberg- Hansen: From Thrift to Fashion. Materiality and Aesthetics in DressPractices in Zambia. In: Küchler, Miller 2005( wie Anm. 3), S. 107–119.

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