256 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIX/ 118, 2015, Heft 3+ 4
andere Falten wirft, wird Kleidung auch durch den Körper gezeichnet.5Weil Kleidung so eng mit der Identität und Intimität verbunden ist undohnehin in den letzten Jahrzehnten günstig und im Überfluss vorhandenscheint, ist die Frage nach einer kollektiven Nutzung von Kleidung jen-seits von Familie und Freundeskreis zunächst abwegig. In diesem Artikelsoll sie aber dennoch in Hinblick auf eine nachhaltigere Nutzung an zweiethnographisch betrachteten Beispielen gestellt werden: Wie sehen heutepraktizierte kollektive Nutzungen von Kleidung aus? Welche inkludie-renden oder exkludierenden Kollektive werden hier aktiv? Können sieauch in Hinblick auf Ressourcenschonung für künftige Generationenein Potenzial in unseren Großstädten entfalten? Um welche Ressourcenhandelt es sich dabei? Diese Frage weist zum einen auf die Reduktionder Umweltkosten von Kleidungskonsum und-produktion, die in Bezugauf Textilien immer stärker diskutiert und erforscht wird. Zum anderenverweist sie beispielsweise mit der von Daniel Miller gemachten Fest-stellung» Green is just the colour of privileged taste<<— auf die sozialenStrukturen hinter dem Kleidungskonsum.
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Um tiefer in die Fragestellungen zu nachhaltiger Kleidung einzu-dringen, sollen hier aber nicht die ökologischen und sozialen Strukturender globalen Produktion betrachtet werden, sondern die des Konsumsin seiner weiteren Definition: als Benutzen und Aufbrauchen von Klei-dung. Betrachtet man in einer Stadt alle Akteure, die mit Konsum und
5 Nicky Gregson, Louise Crewe: Second- Hand Cultures. Oxford 2003, S. 170 fund Heike Willingmann: Kleid auf Zeit. Über den Umgang mit der Vergänglichkeitvon Bekleidung. In: Gabriele Mentges, Heike Nixdorf: Zeit. Schnitte. KulturelleKonstruktionen von Kleidung und Mode. Berlin 2001, S. 141-222, S. 184 f.
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Daniel Miller: Consumption and Its Consequences. Cambridge 2012, S. 19.Andreas Engelhardt: Schwarzbuch Baumwolle. Was wir wirklich auf der Hauttragen. Wien 2012; Pietra Rivoli: Reisebericht eines T- Shirts. Ein Alltagsprodukterklärt die Weltwirtschaft. Berlin 2006; Kirsten Brodde: Saubere Sachen: Wieman grüne Mode findet und sich vor Öko- Etikettenschwindel schützt. Kiel: 2009;Walter E. Little, Patricia A. McAnany: Textile economies. Power and value fromthe local to the transnational. Lanha 2011.
Elizabeth Shove: Comfort, Cleanliness and Convenience. The Social Organisationof Normality. Oxford, New York 2003; Kaori O'Connor: The Other Half: TheMaterial Culture of New Fibres. In: Küchler, Miller 20015( wie Anm. 3), S. 41-59;Kate Fletcher, Lynda Grose: Fashion& Sustainability. Design for Change. London2011; Jonnet Middleton: Long Live the Thing! Temporal Ubiquity in a Smart Vin-tage Wardrobe. In: Ubiquity: The Journal of Pervasive Media 1, 1, 2012, S. 7—21;