>> Teilen, tauschen, helfen?< ¹Zur urbanen Kollektivnutzungvon Kleidung
Heike Derwanz
Obwohl Kleidung so eng mit Identität und Intimität verbunden ist und in den letztenJahrzehnten in Westeuropa günstig und im Überfluss vorhanden scheint, stellt derArtikel die Frage nach einer kollektiven Nutzung von Kleidung jenseits von Familie undFreundeskreis. Dafür wurden zwei Modellbeispiele in Hamburg ethnographisch erforscht.Sie ermöglichen Kleidungskonsum jenseits des Einzelhandels und damit der von Industrieund Handel festgesetzten Preise. Wird jedoch in der Kleiderkammer Wilhelmsburg eineökonomisch geordnete Gesellschaft durch anonyme Spenden fortgeschrieben, setzt sichDie Kleiderei auf den ersten Blick durch kollaborativen Konsum über gesellschaftlicheSchranken hinweg. Beide Modelle schaffen durch ihre Arbeit alternative Konsumräumeund verlängern den Lebenszyklus von Kleidung, die schon als Müll abgewertet war.
Einleitung
Kleidung macht uns zu der sozialen Person, die wir sind.² Mit unserempersönlichen Stil³ drücken wir unsere Geschlechtsidentität, Berufsiden-tität, subkulturelle oder regionale Identität aus.4 Wie bei einer Jeans,die dem individuellen Körper und typischen Tätigkeiten entsprechend
1 Artikel zur Kleiderei, in: Acht. Magazin der Hamburger Volkshochschule 2,2014, S. 8 f.
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