Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Rogojanu, Ana: Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen

  
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Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen
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188 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIX/ 118, 2015, Heft 3+ 4

- so wird

Begegnungen, und sogenannte» Gästewohnungen«, die kurzfristig anbedürftige Personen, oft Flüchtlingsfamilien, vergeben werden, dienender Integration dieser in die Gemeinschaft und stellen eine der zentralenFormen des im Projekt realisierten» sozialen Engagements«< 43 dar. Dabeiging es der Gemeinschaft nicht lediglich darum, für sich, gewisserma-Ben als Einzelfall, gegenseitige Unterstützung und soziales Engagementzu verwirklichen. Sie verstand ihr Projekt vielmehr als eine Antwort aufallgemeinere gesellschaftliche Probleme, insbesondere auf dieder Ausgangspunkt der Initiative von zentralen Initiatoren der Gruppeimmer wieder dargestellt zunehmende Überforderung der Kleinfami-lie angesichts der Bürokratisierung und Individualisierung der Gesell-schaft44, und verfolgte, wie in den Statuten des Trägervereins, zu demsich die Mitglieder des Projekts zusammengeschlossen haben, festgehal-ten ist, das Ziel, als wegweisendes Projekt» eine neue Normalität< desWohnens, des Umgangs mit sich selbst, miteinander und mit den Güterndieser Erde<< 45 zu etablieren.

Die Sargfabrik, die zeitlich mehr oder weniger parallel zu B.R.O.T.Hernals entstand 46, präsentiert sich im Unterschied dazu als Ort alterna-tiver Lebensformen» links der Mitte« 47 und sieht Anknüpfungspunktein der Kommunenbewegung rund um die 1968er- Jahre 48. Ihre Initiatorenund Initiatorinnen rekrutierten sich aus politisch aktivistischen Kreisensowie aus bereits bestehenden selbstorganisierten Gemeinschaftsinitia-tiven wie einer Kindergruppe und einer Hausgemeinschaft.49 Auch hier

43 Klar, Schattovits 1988( wie Anm. 42), S. 120.

44 Vgl. Helmuth Schattovits: Eine Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel amBeispiel Gemeinschaft B.R.O.T. In: Ders.: Angela Adrigan( Hg.): Heimat finden.Gemeinschaftliches Wohnen zwischen Sehnsucht und Gelingen. Wien, Graz 2011,S. 101-114.

45

Statut>> Gemeinschaft B.R.O.T«( Beten- Reden- Offensein- Teilen) in derFassung vom 15.1.1998, Artikel 2: Spiritualität, Ziele und Aufgaben.

46 Die ersten Ideen zum Wohnprojekt wurden ab 1986 entwickelt, fertig gestellt wurdeder Bau 1996. Für die Planung verantwortlich war das Architekturbüro BKK2.47 http://www.nextroom.at/building.php?id=66&inc=artikel&sid=6036( Zugriff:

11.2.2014).

48 Vgl. Gerda Ehs: Das Badehaus Sargfabrik- im Spannungsfeld zwischen öffentli-cher Betriebsfläche und privater Gemeinschaftseinrichtung. Dipl.- Arb. Univ.Wien 2008, S. 21.

49 Vgl. Dieter Schrage: Die Sargfabrik. Ein Stück gebaute Utopie im Westen vonWien. In: Marianne Roessler u. a.( Hg.): Gemeinwesenarbeit und Bürgerschaftli-ches Engagement. Eine Abgrenzung. Wien 2000, S. 34 f.