Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Rogojanu, Ana: Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen

  
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Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen
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Ana Rogojanu, Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen...

Wohnprojekte der 1980er- Jahre- Solidarität

zwischen Spiritualität und Kommunenbewegung

Im Folgenden sollen einige der zentralen Fragen der aktuellen Com-mons- Debatte an zwei der wegweisenden und besonders einflussreichenWohnprojekte der 1980er- Jahre herangetragen werden. Die zwei Initia-tiven, um die es gehen soll, entspringen unterschiedlichen sozialen Bewe-gungen, zeichnen sich aber beide durch ein hohes Maß an Selbstorgani-sation und durch ähnliche formale Strukturen sowie durch den Anspruchaus, alternative Wohnformen mit breiterer gesellschaftlicher Wirksam-keit zu entwickeln.

Die Initiative B.R.O.T. Hernals 40 entstand im Umfeld einer katho-lischen Pfarre und orientierte sich, wie die anfängliche Bezeichnung als>> Familienkloster« suggeriert, zunächst an verschiedenen Formen christli-chen Zusammenlebens41. Für die Bewohner und Bewohnerinnen standenvor allem der Wunsch nach einer geteilten Spiritualität, die Hoffnung aufgegenseitige nachbarschaftliche Unterstützung im Alltag sowie die Mög-lichkeiten eines breiteren sozialen Engagements, von vielen als Teil ihrerchristlichen Lebenshaltung verstanden, im Vordergrund. Gemeinsammit dem im partizipativen Wohnbau erfahrenen Architekten OttokarUhl, der individuelle und kollektive Wohnwünsche erhob, Gestaltungs-vorschläge machte sowie Grundlagen für die Annäherung der Gruppe anarchitektonische Fragen erarbeitete, wurde ein Gebäude entwickelt, dasdiesen Ansprüchen gerecht werden sollte. Der Vorstellung entsprechend,eine Form des gemeinschaftlichen Wohnens zu etablieren, die dennochdie» Intimsphäre der Person, der Ehe und der Familie« ² wahrt, wurde1990 nach ca. vierjähriger Planungs- und Bauphase ein Gebäude fertiggestellt, das über etwa 20 eigenständige Wohneinheiten verfügt. Darüberhinaus bietet eine Kapelle Raum für gemeinsames Gebet, ein Gemein-schaftsraum steht für Diskussionen und Feste zur Verfügung, eine Viel-zahl an Gemeinschaftsflächen eröffnet Möglichkeiten für informelle

40 Die Bezeichnung B.R.O.T. steht für beten, reden, offen sein und teilen und istdas Ergebnis langer Diskussionen um die inhaltliche Ausrichtung des Projektes.Planung und Errichtung dauerten von 1985 bis 1990 und wurden vom Architektur-büro Uhl betreut.

41 Vgl. Sabine Klar, Helmuth Schattovits: Forschungsprojekt integratives Wohnenals soziales Dienstangebot. Endbericht Teil 1. Wien 1988, S. 40–61.

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Statut Gemeinschaft B.R.O.T. vom 18.12.1986.

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