Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Rogojanu, Ana: Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen

  
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Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen
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Ana Rogojanu, Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen...

innerhalb dessen mithilfe der Arbeitskraft der Siedler und Siedlerinnenweitgehend unabhängig von der privaten Bauwirtschaft und zunächstauch noch von der kommunalen Bautätigkeit Siedlungen entstanden, diein ihrer architektonischen Konzeption Möglichkeiten für ein gemein-schaftsorientiertes Zusammenleben vorsahen 22. Nach und nach entwi-ckelte sich aus dem Selbsthilfeprojekt derer,» deren Bedürfnisse wedervom Markt, noch vom Staat hinreichend befriedigt wurden,« 23 eine Sozi-alreformbewegung, die von engagierten Sozialisten sowie Architektenund Architektinnen unterstützt und vorangetrieben wurde. Auch dieGemeinde Wien übernahm institutionell und finanziell eine zunehmendwichtige Rolle in der Förderung des Siedelns und errichtete schließlichselbst im Rahmen ihres Wohnungsbauprogramms eine bemerkenswerteZahl an Siedlungen, bevor sie diese Strategie zugunsten der» Superblock-lösung des Gemeindebaus«< 24 aufgab und damit ab etwa Mitte der 1920er-Jahre das Ende der Wiener Siedlerbewegung herbeiführte.25

Viele der im Zuge der Siedlerbewegung gegründeten Genossen-schaften setzten und setzen ihre Bautätigkeit als gemeinnützige Bau-träger fort, die Gedanken der Gemeinschaftlichkeit und der Beteiligungder Bewohner und Bewohnerinnen spielten allerdings keine wesentlicheRolle mehr26. Erst in den 1960er- und 1970er- Jahren erwachte im öster-reichischen und speziell im Wiener Wohnbau, durch ganz andere Moti-vationen bedingt, wieder ein Interesse für Mitbestimmung» von unten«.Die Gründe dafür sieht der Architekturtheoretiker Robert Temel einer-seits in einem theoretischen Interesse der Architektur, andererseits inder gesellschaftlichen Forderung der Zeit nach mehr Demokratisierung,auch in der Stadtentwicklung und im Wohnbau.27 In Wien entstanden

22 Vgl. Klaus Novy, Wolfgang Förster: Einfach bauen. Genossenschaftliche Selbsthilfenach der Jahrhundertwende. Zur Rekonstruktion der Wiener Siedlerbewegung.Wien 1991, S. 89–102.

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Ebd., S. 8.

Elke Krasny: Hands- on Urbanism 1850-2012. Vom Recht auf Grün. In: Dies.( Hg.): Hands- on Urbanism 1850–2012. Vom Recht auf Grün. Wien 2012, S. 8-37,hier S. 22.

25 Vgl. Andreas Rumpfhuber: Introduction: The Vienna Model of Housing Provisionin Times of Austerity. In: derive. Zeitschrift für Stadtforschung 46, 2012, S. 4-15.26 Vgl. Novy, Förster 1991( wie Anm. 20), S. 112.

27 Vgl. Robert Temel: Baugemeinschaften in der Wiener Seestadt Aspern. Studie imAuftrag der Stadt Wien, MA 50. Wien 2012, http://www.wohnbauforschung.at/

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