Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Rogojanu, Ana: Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen

  
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Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen
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Ana Rogojanu, Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen...

anderen Commons- Initiativen genannt¹, auch wenn sie sich selbst nichtunbedingt als Teil der Commons- Diskussion begreifen. Gemeint sinddamit gegenwärtig zumeist als» Baugruppen« bezeichnete Projekte 18, indenen mehrere Personen in der Absicht eines engen nachbarschaftlichenZusammenlebens, oft unter dem Leitbild einer bestimmten inhaltlichenund weltanschaulichen Idee, gemeinsam ein Gebäude planen, errichtenund anschließend verwalten.

Dabei entsteht eine verhältnismäßig komplexe Form von Commons:Zum einen ist dies ein konkretes Produkt, nämlich ein Gebäude, das sichhäufig in kollektivem Besitz befindet und nach bestimmten gemeinsamausgehandelten Regeln von den Mitgliedern der Gruppe genutzt wird.Der so entstandene Wohn- und Lebensraum ist also eine von Menschengeschaffene und eine nur von einer begrenzten Zahl von Menschen nutz-bare Ressource, deren Verwaltung klare Regeln des Zugangs und derNutzung erfordert. Mit den Begriffen der in der Commons- Diskussionaufgegriffenen wirtschaftswissenschaftlichen Gütertheorie gesprochen,handelt es sich also um ein» rivales« Gut, das einer Zugangsbegrenzungbedarf, und zudem um ein Gut mit einem hohen Grad der Ausschließbar-keit. Letzteres würde eine Einordnung der gemeinschaftlichen Wohn-projekte in die Kategorie der nur einer bestimmten Gruppe von Nutzernzugänglichen» Klubgüter« eher als in die Kategorie der Gemeingüteroder Commons nahe legen. 19

Allerdings geht es vielen der Wiener Initiativen gemeinschaftlichenBauens und Wohnens nicht lediglich um die Herstellung von Wohnraum.Sowohl die Projekte der jüngeren Vergangenheit als auch eine Reihe dergegenwärtigen Projekte sind einerseits von Idealen der gegenseitigen

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17 Vgl. http://blog.commons.at/beispiele-solidarischer-okonomie/( Zugriff 2.5.2015).Die in Deutschland und Österreich verwendeten Begrifflichkeiten sind mitunterverwirrend. In Deutschland werden unter» Baugruppen«< häufig Bauherrengemein-schaften verstanden, deren vorrangiges Ziel die Erschaffung von selbstbestimmtemund kostengünstigem Wohnraum ist.» Wohngruppen« oder» Wohnprojekte<<hingegen bezeichnen Initiativen, die auf ein enges nachbarschaftliches Zusammen-leben sei es im Neubau oder im Bestand- abzielen. An die Selbstbezeichnungangelehnt und der spezifischen österreichischen Situation entsprechend, verwendeich für die aktuellen Projekte, die gemeinschaftliches Bauen und Wohnen miteinan-der verbinden, den Begriff» Baugruppe«<, für die in dieser Hinsicht ähnlich ausge-richteten Initiativen der 1980er- Jahre hingegen den Begriff Wohnprojekt.19 Vgl. Helfrich 2012( wie Anm. 3), S. 85-88.

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