Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde118 (2015) / N.S. 69Rogojanu, Ana: Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen

  
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Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zwischen Selbstorganisation, Solidarität und stadtpolitischen Interessen
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180 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIX/ 118, 2015, Heft 3+ 4

dazu aufgerufen,» die historische Arbeit der Europäischen Ethnologiefür die aktuellen Diskurse zu aktivieren«< 13 und damit»> in der aktuel-len Diskussion um Gemeinnutzen zu mehr Bodenhaftung, Akzeptanz,Dauerhaftigkeit und Festigkeit« 14 beizutragen. Die historische Perspek-tivierung der Europäischen Ethnologie sowie den detaillierten Blick aufkonkrete Akteure und ihre Praktiken mit ihrer jeweiligen implizitengesellschaftlichen Prägung, der über die Frage nach formalen Organi-sationsprinzipien hinausgeht, möchte ich in diesem Beitrag nutzen, umInitiativen aus dem Feld des gemeinschaftlichen Bauens und Wohnensauf einige der oben erwähnten, in der aktuellen Debatte thematisiertenAspekte hin zu befragen. Neben der Frage, um welche Form von Com-mons es sich dabei- wenn überhaupt- handelt und wie diese formalfunktionieren, geht es also auch darum,» Commoning« 15 als von infor-mellen Regeln geprägte soziale Praxis zu erschließen. VordergründigesZiel ist es dabei nicht, gemeinschaftliche Wohnprojekte als» Beispiele fürerfolgreiche Gemeinnutzen<< 16 zu betrachten, wie das im häufig normati-ven Diskurs um Commons derzeit versucht wird, sondern darum, nebenihren Motiven und Organisationsprinzipien auch ihre politischen undgesellschaftlichen Implikationen, ihre inneren Widersprüchlichkeitenund Mehrdeutigkeiten zu verstehen.

Initiativen gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens als Commons?

Parallel und nicht immer in direktem Zusammenhang mit der wissen-schaftlichen und gesellschaftlichen Debatte um Commons häufen sichderzeit auch verschiedene praktische Initiativen gemeinschaftlicherSelbstorganisation: Open- Source- Software, Foodcoops, Leihläden undGemeinschaftsgärten gehören zu dieser Bewegung. Auch Initiativengemeinschaftlichen Bauens und Wohnens, die in Wien derzeit einenbesonderen Aufschwung erleben, werden oft in einem Atemzug mit

13 Kramer 2012( wie Anm. 4), S. 272.

14

Ebd., S. 285.

15

16

Zur Unterscheidung zwischen Commons und Commoning vgl. Meretz 2012( wie Anm. 5), S. 60.

Kramer 2012( wie Anm. 4), S. 272.