Gemeinschaftliches Bauen
und Wohnen zwischen Selbst-organisation, Solidarität undstadtpolitischen Interessen
Ana Rogojanu
Im Rahmen der aktuellen Commons- Diskussionen werden verschiedene Beispiele gemein-schaftlicher Organisationsformen aus der Gegenwart und der Vergangenheit diskutiert undauf ihre Potenziale als egalitäre, inklusive und selbstbestimmte Alternative zu marktwirt-schaftlicher und staatlicher Regulierung hin befragt. Vor diesem Hintergrund widmet sichder Beitrag Initiativen gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens. Anhand der Entwicklungder Rahmenbedingungen und der sich ändernden Motivationen solcher Projekte in Wiendiskutiert er einerseits das spannungsreiche Verhältnis zur kommunalen Politik. Anderer-seits nähert er sich mit aus der gegenwärtigen Diskussion inspirierten Fragen- etwa nachMöglichkeiten hierarchiefreier Organisation- zwei Wohnprojekten der 1980er- Jahre ausder Innensicht und versucht neben den Strukturen dieser Vorläufermodelle von Commonsauch die konkreten Praktiken des Commoning zu verstehen.
Einleitung
Schwindende natürliche Ressourcen, zunehmende soziale Ungleichheitund die jüngste Finanzkrise haben so die Argumentation der aktuellenCommons- Debatten'- Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der derzeiti-gen kapitalistischen Weltordnung aufkommen lassen und das Feld geeb-net für die Suche nach alternativen Lebens- und Wirtschaftsformen. Vordiesem Hintergrund hat die Vergabe des Alfred- Nobel- Gedächtnisprei-ses für Wirtschaftswissenschaften 2009 an die US- amerikanische Poli-tikwissenschaftlerin Elinor Ostrom für ihre Arbeiten zur Organisation
1 Vgl. Andreas Exner, Brigitte Kratzwald: Solidarische Ökonomie& Commons.INTRO. Eine Einführung(= kritik& utopie). Wien 2012; Silke Helfrich,Heinrich- Böll- Stiftung( Hg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits vonMarkt und Staat. Bielefeld 2012; Andrea Baier, Christa Müller, Karin Werner:Stadt der Commonisten. Neue urbane Räume des Do it yourself. Bielefeld 2013.