Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
Seite
144
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144 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIX/ 118, 2015, Heft 1+ 2

den Komponenten der Expertenorientierung, der Kindzentrierung, derMutterpräferierung und der Investition sämtlicher Kapitalsorten in dasKind unter kapitalistischen Rahmenbedingungen samt der sich darausergebenen internationalen Diskussion bleibt in Astrid Baerwolfs Studiefast konsequent ausgeblendet( eine der wenigen Ausnahmen: Murphy2007). Dabei hätte gerade hier ein Konzept bereitgestanden, das in denKern der von ihr thematisierten Zusammenhänge zielt, sie internationalkontextualisiert und die Befunde sowohl teilweise bestätigt als auch sinn-voll ergänzt. In der vorliegenden Form allerdings wirkt Baerwolfs Studiedamit zwar insgesamt materialgesättigt, auskunftsfreudig und wissend-zugleich jedoch auch perspektivisch verengt.

Timo Heimerdinger

Silvia Weißengruber: Arbeit und Kritik.

Versuche alternativer Lebenspraktiken im Neoliberalismus(= Grazer Beiträge zur Europäischen Ethnologie 19).Marburg: Jonas Verlag 2015. 80 Seiten.

In dieser überarbeiteten Fassung ihrer am Institut für Volkskunde undKulturanthropologie der Universität Graz verfassten Diplomarbeit gehtSilvia Weißengruber dem Zusammenhang von Lohnvertragsarbeit undSystemkritik nach. Damit reiht sich ihre Studie in einen aktuellen Bereichder Arbeitskulturforschung der Europäischen Ethnologie ein, der sichmit den Herausforderungen der gegenwärtigen Erwerbsarbeitsformenbeschäftigt, so etwa mit den beim Übergang von einer fordistischen zueiner postfordistischen Regulation der kapitalistischen Produktions-weise entstandenen Prozessen der Flexibilisierung, Prekarisierung undSubjektivierung von Arbeit. Mit ihrem Fokus auf Lebensentwürfe, beidenen aktive Kritik am aktuellen System und an der dort zentralen Rolleder Lohnvertragsarbeit im Mittelpunkt steht, erweitert die Autorin diebestehenden Überlegungen um den gesellschaftspolitischen Aspekt desWiderstandes als besondere Form des individuellen Umgangs mit denaktuellen Arbeitsbedingungen.

Bereits der Klappentext kündigt an, dass sich Silvia Weißengruberdiesem Thema» ohne Kritik und Wagnis zu scheuen« widmet. Gemeint