Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Literatur der Volkskunde

Bezuges zu Fach und Fachdiskurs lesen. Den Gewinn, mit dem diesesBuch zu lesen ist, schmälert dies alles jedoch nicht.

Timo Heimerdinger

Astrid Baerwolf: Kinder, Kinder! Mutterschaft und Erwerbstätigkeitin Ostdeutschland. Eine Ethnografie im Generationenvergleich.Göttingen: Wallstein, 2014, 320 Seiten.

an

Der Zusammenhang zwischen der großen Politik und den intimsten pri-vaten Verhältnissen, wie etwa denen der Elternschaft oder der gelebtenMutterrolle, ist von großem kulturwissenschaftlichen Interesse. AstridBaerwolf untersucht in ihrer Studie die Transformationen der RelationMutterschaft Erwerbstätigkeit in Ostdeutschland anhand dreier Gene-rationen von Müttern, die sie» DDR- Mütter«( Geburt der Kinder umca. 1970),» Wendemütter«( Geburt der Kinder um ca. 1990) und>> Nach-wendemütter<<( Geburt der Kinder um ca. 2000) nennt. Befragend undteilnehmend- beobachtend nähert sie sich jeweils knapp 10 Personenethnografisch mehrstufig und über einen längeren Zeitraum hinwegund fragt nach Praktiken, Familienarrangements, Selbstbildern, Alltags-vollzügen und Einschätzungen. Die Befunde fallen bei den verschiede-nen beforschten Gruppen erwartungsgemäß denkbar unterschiedlichaus. Dass sich manche Teile der zu erforschenden Wirklichkeiten dabeiauch aus der beobachtenden Anschauung( Krabbelgruppenbesuche) erge-ben, andere jedoch ausschließlich als retrospektiv erzählte Wirklichkeit( Interviews), ergibt sich zwingend aus der Struktur des Feldes, demen-sprechend theoretisiert die Autorin sinnvollerweise sowohl das Konzeptder Biografie als auch das der Generation- wenn auch nicht primär auskulturanthropologischer, sondern vornehmlich geschichtswissenschaft-licher und soziologischer Perspektive. Methodisch zentral stehen dabeidie biografischen Selbstthematisierungen von Müttern, entsprechendviel Raum bekommen im Buch ihre Erzählungen. Eng am Material erar-beitet die Autorin in ihrer Studie die unterschiedlichen Themenbereicheder Berufsbiografie, der kulturellen Kodierung von Kindheit und Eltern-schaft und der gesellschaftlich unterschiedlichen Relationierung von

141