Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
Seite
138
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138 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIX/ 118, 2015, Heft 1+ 2

Martina Kleinert: Weltumsegler. Ethnographie eines mobilenLebensstils zwischen Abenteuer, Ausstieg und Auswanderung.Bielefeld: transcript, 2015, 361 Seiten.

Mit einem Schiff um die Welt zu segeln dieses Unternehmen gehörtzu den großen Sehnsuchtsmotiven oder Lebensträumen vieler Men-schen. Und manche davon, in den letzten Jahrzehnten immer mehr,machen ihn sogar wahr und brechen auf. Martina Kleinert hat sich inihrer Dissertationsforschung( Göttingen 2014) dieser Reisepraxis eth-nografisch genähert. Im Zentrum ihrer umfangreichen und lesenswertenStudie steht die Auseinandersetzung mit der Praxis der Weltumsegelungaus( auto) ethnografisch- teilnehmender, historisierender, befragender undbeobachtender Perspektive. Das Ziel ist dabei die Untersuchung undDarstellung der» Lebenswelt von Fahrtenseglern aus deren Innensicht«( S. 12) Die methodische Basis bilden dafür eine gemeinsam mit ihremPartner selbst durchgeführte 20- monatige Segelreise 2001/2002 durchden Pazifik( allerdings nicht als Teil einer Weltumrundung, sondern fürethnologische Filmaufnahmen), rund 35 Interviews und 8 Fragebogen-erhebungen unterschiedlicher Länge und Intensität mit AkteurInnenunterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft, welche dieAutorin teilweise persönlich kennenlernte oder anderweitig kontaktierte.Sie alle eint jedoch die Provenienz aus dem deutschen Sprachraum unddie erklärte Absicht einer Weltumsegelung- ganz unabhängig davon, obdiese dann auch tatsächlich abgeschlossen, modifiziert oder abgebrochenwurde. Sowohl die Vorbilder, Motive und Praktiken der Weltumseglerals auch die Brüche, Verschiebungen und Transformationen währenddes Unterfangens und nicht zuletzt der technische( insbes. GPS- Navi-gation) wie habituelle Wandel, den diese Reisepraxis in den vergangeneJahrzehnten erlebt hat, sind Gegenstand der Forschung. Martina Klei-nert verortet ihre Studie inhaltlich schlüssig in verschiedenen Zweigender volkskundlich- kulturanthropologischen Forschung: der Freizeit-und Lebensstilforschung, der Reise- und Tourismusforschung und derMobilitätsforschung und bestimmt damit auch theoretisch, worauf sichihr ethnografischer Blick heuristisch primär richtet: auf die Akteure alsReisende, die sich nicht nur einen Traum erfüllen, sondern dabei vorallen Dingen auch» im Unterwegssein« einrichten und somit Mobili-tät in einem spätmodernen Sinn zum Lebensstil erheben. Kundig und