Chronik der Volkskunde
und biografischen Angaben. In einem zweiten Teil verdeutlichte Gamsadie umstrittene Rolle Vengerovs, der von Akademikerkreisen als Dilet-tant und Utopist belächelt wurde, was sich aber im späten 20. Jahr-hundert mit dem erneuten Versuch, eine Enzyklopädie der russischenSchriftsteller vom 11. bis 19. Jahrhundert herauszugeben, relativierte.
Silikon
ein-
Cecilia Valenti( Düsseldorf) zeigte einen Ausschnitt aus der in den1980er Jahren im italienischen linken Fernsehsender retez laufendenUnterhaltungssendung» Blob«<: Täglich wurden die TV- Bilder vom Vor-tag in wilder Montage in einem Re- Framing in skurril- absurde Bedeu-tungszusammenhänge gebracht. Die Sendung lehnt sich konzeptionell an>> Blob«< an, eine unförmige und formwandelbare Hollywood- Horrorfiguraus den 1950er Jahren. Auf die Materialität des Blobsgehend, setzte sie die Sendung in einen Zusammenhang mit post- mar-xistischen Theorien wie der Kommodifizierung von Konsumergütern.Kommodifizierung zeigt sich nicht nur in der Präferenz synthetischeranstatt natürlicher Materialien, sondern auch in einer Re- Definition vonObjekten mit einer Funktion zu funktionell wandelbaren Objekten. DieSerie>> Blob«<, so verfolgte sie die These, sei ein abstraktes Beispiel fürdiese» Re- Kommodifizierungs- Tendenzen«< der Postmoderne.
In der ersten der beiden Roundtable- Diskussionen der Tagung wur-den vier Projekte vorgestellt, die sich sehr breit mit Fragen und Zugangs-weisen zu ebenso heterogenen Materialien beschäftigten:
Christiane Schwab( Berlin) zeigte auf, wie über die neuen Möglich-keiten der Drucktechnologie in den Jahren 1830–1860 geistes- undsozialwissenschaftliches Wissen geschaffen und in Umlauf gebrachtwerden konnte. Illustrationen spielten dabei in den gedruckten Heftcheneine zentrale Rolle für die Weiterentwicklung der Wissensbestände. AmBeispiel der Physiognomik und der Vermessung und Interpretation vonSchädeln verdeutlichte sie, wie wissenschaftlich versucht wurde, denMenschen analog zu Pflanze und Tier zu klassifizieren; was dabei auchmit satirischen Gegenpublikationen kommentiert wurde.
Birgit Johler( Wien) stellte ihr in Vorbereitung befindendes Ausstel-lungsprojekt zu Möbeln ländlich- alpiner Herkunft aus Freuds DiningRoom vor. In der Ausstellung werden nicht eins zu eins nachgebauteMöbel zu sehen sein, sondern Holzteile, die auf Ausschnitten und Frag-menten der einzelnen Möbelstücke aufbauen. Bei genauer Betrachtungund Nachverfolgung von fotografierten Details wie Aufschriften oderRissen im Holz, werden die Objekte zu Zeitzeugen. Johler führte dem
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