neuerDings
arbeiten, griff Diringer auf schon vorhandenes, quasi populärkulturellapprobiertes Bildmaterial zurück, das für einen anderen Zweck gefertigtworden war. Er zeigte nicht die von ihm produzierten Kostüme, son-dern verwendete für seinen Produktkatalog sogenannte Volkstypendar-stellungen Glossar ::: zum Glossareintrag stellungen, die zum Teil Jahrzehnte vorher entstanden waren. Ein Bei-spiel möchte ich hier herausgreifen: Zwischen 1881 und 1890 entstanddie Serie» Oesterreichisch- ungarische National- Trachten«<, insgesamt 72regionstypische Darstellungen aus allen» historisch- politischen Entitä-ten<< der Habsburgermonarchie. Sie wurden mit Kostümen in Wien imStudio inszeniert, zusammengestellt von dem Genre- und Historienma-ler sowie Kostümspezialisten Franz Xaver Gaul und fotografiert vomhochangesehenen Hoffotografen Josef Löwy. Eine aufwändige Produk-tion, die in unterschiedlichsten Formaten aufgelegt und stark verbreitetwar. Der Wiener Trachtenhersteller Loden- Plankl legte nach diesen Vor-bildern Halbkonfektionen für die Wiener Gesellschaft auf. Diringer ver-wendet für seine Kostüme drei davon:» Bürgermeister«,» Salzburg« und» Kärnten( Gailtal)<<.
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Diese Bildzirkulation ließe sich weiterverfolgen – hinsichtlich all deranderen Vorlagen, die Diringer verwendete, oder auch in Hinblick aufdas oftmalige Auftauchen dieser Bilder an anderen Orten. Dies gilt fürviele andere>> Volkstypendarstellungen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypendarstellungen« und generell für die Multiziplitätfotografischer Bilder, bis hinein in wissenschaftliche Bereiche. Diese viel-fachen Wiederholungen, die in oft unterschiedlichen Zusammenhängenmit gleichen oder ähnlichen Bildformulierungen arbeiteten bzw. arbeiten,führten und führen zu einer Stabilisierung bestimmter Imaginationen."
Dieses Objekt, das im Moment noch einen singulären Status inder Fotosammlung des Volkskundemuseums Wien hat, stellt eine
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Zu bildlichen Stereotypen s. etwa: Michaela Haibl: Zerrbild als Stereotyp: VisuelleDarstellungen von Juden zwischen 1850 und 1900. Berlin 2000; für das vielfacheAuftauchen von Bildern in unterschiedlichen Kontexten s. Justnik 2014( wie Anm.3); darin zeichnet das Bildkapitel» Zuschreibung« das mehrfache Auftauchen einerFotografie nach; ausführlicher in: Herbert Justnik:» Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen«<- Kategorisie-rendes Sehen und bestimmende Bilder. In: Petr Lozoviuk( Hg.): VisualisierteMinderheiten. Probleme und Möglichkeiten der musealen Präsentation von eth-nischen bzw. nationalen Minderheiten. Dresden 2012, S. 109-136; Überlegungenzur Streuung von Bildern finden sich in: Herbert Justnik: Diffus an der Fotografievorbeigehen. In: Streulicht. Magazin für Fotografie und Artverwandtes. Issue N° 6:Photography Beyond Photography, S. 132–137.
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