Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
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74 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIX/ 118, 2015, Heft 1+ 2

Durchblättern schon weggeworfen wird. Zurück zu unserer illustren> Festgesellschaft<. Auf den Innenseiten das Katalogs ist der Alpenraummit verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern anwesend. Wir findenauf elf Bildseiten 66 reproduzierte Fotografien, von den» kleidsamstenund mit besonderer Vorliebe getragenen alpine[ sic] Trachten«. Die ers-ten Seiten des Kataloges lassen quasi die Honoratioren und Hofnarrender Festgesellschaft an uns vorbeiziehen. Wir finden den» Dorfpfarrer«<,den>> Bürgermeister«<, den» Wurzelsepp«< und andere. Auf der fünftenBildseite wird es etwas gesetzter und eleganter, sie sind den Repräsentati-onen regionaler Trachten gewidmet. Geografisch kommen diese» Volks-typendarstellungen Glossar ::: zum Glossareintrag typendarstellungen« aus dem Deutschen Reich, der Habsburgermonar-chie und der Schweiz, lediglich die letzten drei gehen räumlich darüberhinaus. Das Ende der illustren Gesellschaft im Katalog ist gleichzeitigdie Vorbereitung zum wirklichen Fest. Auf der letzten Umschlaginnen-seite folgt eine Anleitung, die die Leihe und die Anfertigung der Kos-tüme, von den Versandbedingungen bis zu den Maßen, erläutert. Eineaufschlussreiche Seite, die einiges über das Phänomen und die Praxis derTrachtenfeste erahnen lässt. Sie macht uns darauf aufmerksam, dass diefotografierten Modelle» wegen des beschränkten Raumes«< nur ein klei-ner Teil des Angebots von Diringer sind und dass das Unternehmen» allevorkommenden Trachten auf Lager« hält. Hier wird die Funktion diesesHefts, sein Status als Katalog eines Kostümherstellers und-verleihers,der seine Trachten anpreist, nochmals deutlich ausgeführt.

Auf den wenigen dünnen Blättern Papier dieses Objekts' verdichtensich mehrere Kontexte bzw. Umstände. Einerseits baut es auf technolo-gisch- wissenschaftlichen Entwicklungen auf: Es brauchte die Autotypie( Anfang der 1880er Jahre entwickelt, machte sie es möglich, Fotografienals Illustrationen massenhaft einzusetzen, etwa wie für derartige Wer-beprospekte). Buchdruck, Post-, Versand-, und Transportwesen( auchüber nationale Grenzen hinaus) und eine industrialisierte und konfekti-onalisierte Kleidungsproduktion mussten sich ebenfalls auf einem elabo-rierten Entwicklungsstand befinden. Insbesondere benötigte das Unter-nehmen aber international bekannte Trachten und die gesellschaftlichenGegebenheiten, die solche Kleidung als Bedürfnis erscheinen lassen

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Den Ankauf dieses Objekts( Inventarnummer der Fotosammlung des Volkskunde-museum Wien: pos/ 63930) verdanke ich Friedrich Tietjen, der es auf Ebay entdeckthatte.