Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
Seite
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neuerdings

Mit besonderer Vorliebe getragen.

Das Gebirgs- und Volkstrachten- Album der Kunstanstalt F.& A. Diringer

Aus dem Cover des» Gebirgs- und Volkstrachten- Album[ s]« der Kunst-anstalt F.& A. Diringer grinst ein Mann. Das Cover des Katalogs hateine runde Öffnung, das Gesicht des Mannes ist dahinter und grinst halbboshaft, halb fröhlich eine dermaßen herausfordernde Einladung, dassman gleich nachgibt und aufschlägt.

Die Assoziation einer Einladung, die etwas vorausschickt, passt auchzu den Trachtenfesten, für die dieser Katalog gestaltet wurde eine Ein-ladung zu einem Fest, einem amüsanten. Wir befinden uns zeitlich nochvor dem Ende des Ersten Weltkrieges( und nach 1900). Mit dem Titel, derAdresse in München und der Nobilitierung des Produkts durch die Wap-pen dreier deutscher Adelshäuser auf dem Umschlag weist sich der Her-steller gleich aus. Die Erreichbarkeit ist offenbar von solcher Bedeutung,dass neben der Adresse auch Telefonnummer und Telegrammadresse zufinden sind. Blättern wir um( oder treten wir ein), dann sind wir dem grin-senden Mann näher getreten, er wirkt durch das fehlende Umschlagblattnicht mehr so distant. Die Firmendaten werden wiederholt, wir habenalso keine Chance, den Kontakt zu Diringer nicht zu finden. Außerdemwird uns erklärt, dass es sich bei der» Kunstanstalt F.& A. Diringer<<um eine» Fabrik für Anfertigung historischer Kostüme und Trachten<<handelt, die»> Anfertigungen nach Maß auf feste Rechnung« durchführtund gleichzeitig auch die»[ g] rößte Verleihanstalt und Versandhaus[ sic]«ist. Dass es sich hier nicht um ein x- beliebiges Unternehmen handelt,demonstriert das rechte obere Viertel dieser Seite, das Orden und Medail-len zieren, auch die Wappen der Adelshäuser vom Cover wiederholensich. Nun können wir also beruhigt vom Foyer in den Ballsaal gehen.Bei diesem Katalog handelt es sich ähnlich einer Festeinladung- umsogenannte Ephemera, für uns heute Quellenmaterial, das in der Regelselten archiviert wird, weil es beiläufig, inhaltsarm, eben ephemererscheint. Ein brauner, inzwischen verschmutzter Umschlag( schwarz-blau bedruckt), darin drei Blätter dünnes Papier, mit Klammerheftungzusammengehalten. Es ist ein Querformat, in etwa A4, einfarbig, Buch-druck in schwarz, Bilder in Autotypie ausgeführt. Das ganze Heft zeigtdie Spuren einer Faltung- ein Werbeprospekt, das oft nach einmaligem

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