Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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disparaten Relikten und Sachdenkmälern derselben nachläuft, unterläge dem Ver-dikt skurriler Einseitigkeit und sei nicht mehr ganz up- to- date. Allein in der Pflugfor-schung Europas ist neuerdings so viel in Bewegung geraten und bieten sich zahlreicheneue Aspekte und Perspektiven. Das wird uns hier durch G. Forni und G. Bassi unddurch das im Museo Lombardo di Storia dell'Agricoltura( Sant Angelo Lodigiano/Milano) speziell für die westliche Lombardei aufgeschlossene Material unmittelbardeutlich gemacht. Denn es zeigt sich wieder, daß die eigentliche Erforschung undInterpretation dieses patrimonio culturale" noch immer im Gange ist und eher nochin den Anfängen steckt und daß gerade die Arbeitswelt mit ihren Arbeitsformen und-geräten eben doch Fundamente nicht bloß der ländlichen, Volkskultur" darstellen,sondern nicht minder als die Faktengeschichte erst Grundvoraussetzung für ein wirk-liches und umfassenderes Geschichtsverständnis bilden. Mit ihnen eröffnen sich jaerst die Zugänge zu einer sogenannten Geschichte des Alltags und, Geschichtevon unten, d. h. zum tatsächlichen Leben der Menschen in ihrem jeweiligenAmbiente.

Die Schrift besteht aus zwei Teilen: einem breit angelegten einführenden erstenTeil, der sich mit den Ursprüngen und der Geschichte von Pflug und Wagen in derPoebene(, Padania)" beschäftigt, den der bekannte italienische Agrar- und Pflug-forscher Gaetano Forni beisteuert, und dem eigentlich regionalmonographischenzweiten Teil von Giacomo Bassi über die traditionellen Formen von Pflug undWagen in der Bassa Lodigiana" im Herzen der Lombardei( südöstlich von Mailand).Beide Teile sind mit reicher Bilddokumentation ausgestattet, wenn auch die Sachdo-kumentation jeweils in Wort und Bild auf das Exemplarische beschränkt bleibt oderbleiben mußte. Die erklärenden Texte der Darstellung werden von ausführlicherläuterten Bildbeispielen sowie auch von verschiedenen Verbreitungskarten beglei-tet. Sie sind gestrafft, aber gut faßlich und klar formuliert und fassen unter Heranzie-hung der wichtigsten neuen Fachliteratur ihre Thesen zu teilweise ganz neuen Ergeb-nissen zusammen. Vor allem die Ansätze bei G. Forni sind bemerkenswert und auchfür die vergleichende Pflugforschung Mitteleuropas von Interesse. Forni geht vonallgemeinen agrarhistorischen Ansätzen wie etwa einer ursprünglichen Brandfeld-wirtschaft aus, arbeitet sehr stark mit linguistischem Quellenmaterial und überwin-det so eigentlich die rein typologische und gerätemorphologische Betrachtungsweisezugunsten einer eher ökonomisch- agrargeschichtlichen und mehrdimensionalenEinschau, in die er Sprachliches, Dialektologisches und reiches archäologischesQuellenmaterial einfließen läßt. Seine Erkenntnisse für Oberitalien und den Süd-rand des Alpenbogens machen bei Pflug und Wagen diese meines Wissens erstmaligehistorische Untersuchung zweier so wichtiger Großgeräte vor allem auch für dieinneralpinen Landschaften und deren Gerätekultur unentbehrlich und werden ähn-lich wie die große Zahl neuer Untersuchungen von G. Forni künftighin zu bedenkenund zu diskutieren sein. Für die vergleichende Geräteforschung Zentraleuropas stel-len sie mit ihren z. T. neuartigen Ansätzen und dem reichen Dokumentationsmate-rial unbezweifelbar wichtige und wertvolle Beiträge dar.

Oskar Moser

Konrad Mautner, Viktor Geramb, Steirisches Trachtenbuch. 1. Band, Graz,Leuschner& Lubensky, 1932, 502 S., 269 Abb.; 2. Band, Graz, Leuschner&Lubensky, 1935, 619 S., 310 Abb.; Reprint Graz, Leuscher& Lubensky, 1988, miteinem Begleitheft zur Neuauflage von Roswitha Orač- Stipperger, 24 S.

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