Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Große Vorbilder, etwa Giovanni Giulanis Hochaltar in Thallern, fanden auch inden Nachbargemeinden ihre Nachahmer, so wie die Weinpressen, die vielfach künst-lerische Ausstattung erfuhren. Natürlich blieb auch die Darstellung des Heurigen"durch Leutgebordnungen- jahrhundertelang wiederholt- nicht aus. Landesaus-stellungen, Weinversteigerungen, Weinkostveranstaltungen, Weinlesefeste zuEhren des heiligen Jakobus dokumentieren die Bedeutung des Weinbaues inGuntramsdorf.

Helene Grünn

Giacomo Bassi Gaetano Forni, Gli strumenti di lavoro tradizionaliLodigiani e la loro Storia. Vol. I: L'aratro e il carro Lodigiani nel contestostorico Padano. Milano, Edit. Francesca Pisani, Museo Lombardo di Storiadell'Agricoltura, 1988, 94 Seiten, reich illustriert und mit Karten.

Diese schlanke Schrift über die Geschichte von Pflug und Wagen in der Lombardeiund Oberitalien ist schon nach ihrem Grundkonzept und ihrer Anlage überraschend,ja eigentlich fast eine kleine wissenschaftliche Sensation. Sie hebt sich deutlich abgegenüber dem Verbreitungsüberblick in dem monumentalen zweibändigen WerkPaul Scheuermeiers( 1943/ 56¹, 1972²), das an den, Sprach- und Sachatlas Italiens undder Südschweiz" von K. Jaberg und J. Jud anschließt, ebenso gegenüber den umfas-senden ortsmonographischen Gegenwartsaufnahmen der Geräte der ÁtányerBauern in Ungarn durch Edit Fél und Tamás Hofer( Kopenhagen 1974). Undindem diese Untersuchung durch ihre archäologisch- historische Ausrichtung auf dieEntwicklung der beiden landwirtschaftlichen Großgeräte Pflug und Wagen denerheblich schwierigeren und vermutlich auch riskanteren Weg der Abstützung aufden Ursprüngen und Frühüberlieferungen dieser Jahrtausendgeräte und den letztennoch faẞbaren historischen Gerätetypen im Übergang zum mechanisierten Acker-bau mit industriell produzierten Pflügen sucht, unterscheidet sie sich schon reinmethodisch stark von den historisch- typologischen Aufarbeitungen der Bodenbau-geräte Zentraleuropas, etwa bei H. Koren, U. Bentzien, H. L. Cox oder H. Sperberu.v.a. Im Vorliegenden stellt sich dem Leser immer die Frage, wieweit die jeweilsexemplarisch herangezogenen Bild- und Sachbeispiele mangels einer Möglichkeitstärker flächendeckender Belege auch tatsächlich als jeweils gültig für den betrachte-ten Raum gelten können. Der von G. Forni der vorrömischen Altform des Pflugesim Kulturkontakt von Etruskern und Kelten in der Lombardei und weiter zugewie-sene Volksterminus, siloria für den radlosen, flachsohligen Pflug mit Eisenschar,aber auch andere verbreitete Dialekttermini scheinen in der Tat für die allgemeinereVerbreitung und Gültigkeit solcher Ansätze zu sprechen( S. 12 f.). Übrigens hebtauch G. Forni die entscheidende Rolle der Kelten für den Fortschritt in der Agrar-technologie durch deren Geschick und Einfluß in der Eisenverarbeitung nicht nurbeim Pflug und dessen Bewehrung mit einer eisernen Flachschar hervor, sie trat jain gleicher Weise auch beim vierrädrigen Langwagen, beim Sechmesser" und nichtzuletzt durch die Erfindung der Langstielsense als wichtiges Ernteschnittgerät wie inder Waffentechnik deutlich hervor. Es sind somit Ansätze und Perspektiven hier vor-gegeben, die wohl allgemeineres Interesse beanspruchen können.

Mit alldem wird wieder einmal klargemacht, daß sich jeder in einem verhängnis-vollen Irrtum befindet, der da meint, die volkskundliche Geräteforschung, die sichvorab der bäuerlichen und handwerklichen Arbeitswelt zuwendet und gar den

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