Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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trifft aber nicht nur darin viele ähnliche und verwandte Orts- oder Regionalmonogra-phien; sie hält auch Sprachliches behutsam fest und gibt so ihrer Darstellung Farbeund Gehalt. Erstmals stieß der Referent beispielsweise hier um Kitzbühel auf bemer-kenswerte Gemeinsamkeiten mit dem Kärntner Nockgebiet in der baulichen und inder Arbeitswelt der Bergbauern, aber dann auch auf beträchtliche Unterschiede undeben eine kulturelle Eigenständigkeit im Gesamthabitus dieses Bauernlebens.Man würde sich daher gerade wegen dieser vielen und erstmals erfaßten Detailswenigstens einen Sachindex wünschen, der den breit angelegten und diskursiv darge-stellten reichen Inhalt des Buches erschließt.

Oskar Moser

Johann Hagenauer, Ernst Wurth, Unter dem Stab des heiligen Jakobus.Guntramsdorf, Gemeinde, 1989, 60 Seiten, Abb.

Vorweg sei gesagt, die vielen Archivaufnahmen der alten Fotos, die jeden Heimat-forscher begeistern, und die Aktensammlung stammen von drei Generationen derFamilie Wurth, die frühzeitig erkannten, wie wichtig jedes noch so unscheinbareStück der Heimatkundesammlung und jede Aktennachricht der Gemeinde zur Dar-stellung der Kulturgeschichte nicht nur dieser Gemeinde, sondern vielmehr des Süd-bahnweingebietes ist. In diesem Sinne ist das stattliche Heft ein sehr wertvoller Bei-

trag.

Wie schon Ausgrabungen in der Hirschpoint ergaben, konnte die Forschung vieleinteressante Gegenstände sichern und zum Teil restaurieren.

Die ersten Nachrichten über Guntramsdorf stammen aus dem Jahrzehnt zwischen1120 und 1130. Dies wurde durch die Wiedergabe einer handschriftlichen Schenkungklar.

Ein wertvolles Zeugnis über die damaligen Arbeitsbedingungen im Weinbau bie-tet die niederösterreichische Weingartenordnung von 1554, die nach dem Türken-einfall erlassen wurde. Sie geht in vielen Punkten auf die bestehenden damaligenOrdnungen zurück. Vielfach wurde Klage geführt, daß die Winzer diese Winzerord-nungen nicht einhielten. Interessant ist auch die Stellung der Klöster als Bergherren.Sie bewirtschafteten ihre Weingärten nur teilweise mit eigenen Leuten, den überwie-genden Teil verpachteten sie gegen Bergrecht( eine Menge Most oder Wein) an hie-sige Hauer. Interessante Details werden auch von den Friedhöfen mitgeteilt. NebenAufnahmen von alten Gebäuden und Geräten gibt es auch Rezepte zur wertvollenErhaltung des Rebensaftes. Im folgenden Teil werden Guntramsdorfer Riednamenund ihre Deutung aufgezählt.

Der Wetterschutz war und ist eine bedeutende Sorge. Nun werden alle Versucheim Laufe der Jahre vorgestellt.

Dem Weinhüter gilt ein besonderer Platz, der allerdings in der letzten Zeit nurmehr wenig Bedeutung hat ebenso wie der Traubendiebstahl, der einst schwergeahndet wurde.

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Ein Bild des Büchleins zeigt die Weinhüter vor ihrer Hütte, ein anderes eine Hoch-zeitsgesellschaft und eines Festtrachten aus dem Besitz des Heimatmuseums.

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