Sprache und wird als theoretische Arbeitsgrundlage für die rezente volkskundlicheForschung geprüft.
Der zweite Teil„ Nova paradigma i novi predmet“( Neues Beispiel oder neuesObjekt, S. 71 204) begibt sich ins Feld der Forschungspraxis, in dem nun dasgewandelte Verständnis von Volkskunde und ihren Forschungsobjekten seineAnwendung erfährt: hier kommen Kapitel der Stadtvolkskunde zur Darstellung,mündlich kommunizierende Gruppen, Brauch- und Festinnovationen, neu kompo-nierte Volksmusik; der Kinderkarneval wird untersucht, der Hl.- Nikolaus- Glaubeals Mythos. Ausgehend von Bogatyrevs grundlegendem Werk wird Tracht als Modeanalysiert und das traditionelle Trachten- Verständnis als Hindernis für die eigentli-che Kleidungs- Forschung kritisiert. Am ausführlichsten ist allerdings die Analyseder Todesanzeigen in der kroatischen Presse; hier kommen Ergebnisse eines konkre-ten Forschungsprojekts( 1973, 1974, 1977 und 1987) zur Ausführung. Mit dergedruckten Todesanzeige wird die moderne bürgerliche Schweigemauer um dasSterben durchbrochen; dieselbe wird als eine Art öffentlicher rite de passage gedeu-tet. Sie definiert den sozialen Status des Verstorbenen, gibt aber auch Aufschlußüber die Hinterbliebenen. Die Formulierungen stammen oft aus der mitteleuropäi-schen sentimentalen Literatur. Nur ein Drittel der 889 Beispiele bezieht sich aufFrauen; auch eine Komparation mit italienischen Ergebnissen wird versucht. Dasletzte Kapitel des zweiten Teils setzt sich mit dem Patriarchalismus auseinander,beginnend mit Gesemanns Vitrinen- Begriff der öffentlichen Patriarchalität bei denSüdslawen und endend mit der Feststellung, daß trotz der gesetzlichen Legalisierungder Geschlechtergleichheit die Position der Frau in Arbeit und Gesellschaft, ja sogarbeim Militär, weiterhin benachteiligt ist.
Das Nachwort( S. 205-231) bringt noch zwei weitere Untersuchungsbeispiele: dieurbane Abendpromenade, nachweisbar seit dem Beginn unseres Jahrhunderts, diesich nicht immer an die Vorstellungen der Städteplaner hält, und die Innovations-kraft des„, Frauentages“( 8. März), der nach dem Zweiten Weltkrieg zu politischenZwecken eingeführt worden ist, heute jedoch die Züge eines echten Volksfestes derUnterschichten gewonnen hat. Den Band beschließt eine ausführliche Bibliographie( S. 217-226) sowie ein Namensregister( S. 227-229). Rihtman- Auguštin ist esgelungen, aus dem Material von Überlegungen und Forschungsprojekten der letztenJahre, die z. T. schon an anderer Stelle zur Veröffentlichung gelangt sind, fast soetwas wie ein Handbuch der kroatischen Gegenwartsvolkskunde zu schreiben.
Walter Puchner
Gertrud Heß- Haberlandt, Bauernleben. Eine Volkskunde des Kitzbüheler Rau-mes. Mit Bildern aus einer vergehenden Welt von Michael Heẞ. Innsbruck, Hay-mon Verlag, 1988, 342 Seiten, Zeichnungen von Dorothea Koch und Ernst Heẞ.Das großformatige, sehr aufwendig und hübsch gestaltete Buch wendet sich inerster Linie wohl an alle jene, die gleichsam als seine„ Helden" hier beschrieben sindund von denen und von deren Lebenswelt die Verfasserin ebenso mit fundierterUmsicht und Kenntnis wie mit warmherzigem Verständnis berichtet. Den gut lesba-ren Text, der in zahlreiche eigens betitelte Abschnitte aufgegliedert ist, sind fortlau-fend auch treffliche Fotos und Sachzeichnungen beigegeben, mit denen„ die Zeug-nisse einer versinkenden bäuerlichen Welt noch im letzten Augenblick festgehalten"worden sind; es wird einleitend eigens betont, daß„ keine der Aufnahmen
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