der verbreiteten These von den allein zu bejahenden Aufgaben und Zwecken vonVereinen entgegentritt.
Der angezeigte Band darf also allen Sozial- und Kulturwissenschaftern, die sichmit Heimat, Identität, Umwelt usw. befassen, ebenso empfohlen werden wie jenenLaien, die in einschlägigen Organisationen, Initiativen usw. tätig sind. Abschließendsei jedoch betont, daß man bei allen positiven Aspekten eines emanzipatorischenHeimatbegriffs mit A. Lehmann auch„ eine neue Heimatkunde wird... davor war-nen müssen, neuerlich der Gefahr der Mystifizierung zu erliegen“.
Olaf Bockhorn
M. G. Meraklis, Laografika zitimata( Volkskundliche Fragen), Athen, Buras1989, 287 Seiten.
Der schier unermüdliche griechische Volkskundler und Literaturkritiker MichalisMeraklis hat mehrere Studien zur Wissenschaftsgeschichte, zur bürgerlichen Volks-kunde und zur Gegenwartsvolkskunde zusammengestellt und herausgegeben. Aucheinige unveröffentlichte Arbeiten sind dabei zum Abdruck gekommen. Der Banddokumentiert zum Teil den geistigen Werdegang dieses führenden Vertreters derDisziplin in Griechenland, von der Literaturwissenschaft und Ästhetik herkom-mend, zuerst sich mit Märchen und Volksliteratur beschäftigend, 1967-1970 beiRanke in Göttingen den Umbruch und Aufbruch der deutschen Volkskunde mitvoll-ziehend und seitdem einer soziologisch orientierten Methodologie verpflichtet, inseinen Lehrjahren an der Universität Ioannina( 1975-1989) beide Sichtweisen suk-zessive verbindend und sich in seinen geistigen Ansätzen immer mehr einer integra-len Kulturwissenschaft bzw. Kulturphilosophie nähernd, spürt der Verfasser in man-chen seiner letzten Arbeiten innerhalb der historischen, politischen und ökonomi-schen Koordinaten des Volkslebens immer wieder die„ Poesie" des Volkswortes unddie Ästhetik der Volkskunst auf, ohne jedoch darin eine romantisierende Einstel-lung gegenüber den Wort- und Sachzeugnissen der Volkskultur zu vertreten. Die tra-ditionellen thematischen Schranken(„ Bauernvolkskunde") sind ohnedies, schon inder ,, Einführung in die Griechische Volkskunde", von der bisher zwei Bände erschie-nen sind, verlassen. Dies wird besonders auch in diesem Sammelband deutlich.Der erste Abschnitt ist betitelt:„ Die Volkskunde als Wissenschaft" und enthältdrei Arbeiten:„ Die Geschichtlichkeit der volkskundlichen Phänomene"( S. 15-25) ,,, Volk und Volkskultur“( S. 26-32, schon 1976 veröffentlicht) sowie dieinteressante kulturanthropologische Studie„ Schweigen, Lachen und Weinen. Einkleiner Beitrag zur Erläuterung der Beziehungen der Volkskunde zur Philologie undSoziologie"( S. 33-58, zuerst im Memorialband für K. Vurveris, Athen 1983,S. 367-384, erschienen).
Der zweite Abschnitt ist„ Der Stadt und dem bürgerlichen Leben“ gewidmet undenthält folgende Aufsätze:„ Bürgerliche Volkskunde“( S. 61-64, schon 1978 veröf-fentlicht),„ Der Stadtmensch"( S. 65-82; in der„ Laografia“ 29, 1974, S. 71–84,zuerst),„ Der Stadtmensch und die Dekadenz“( S. 83–88),„ Kulturelles“ mit The-menstellungen aus dem Vereinswesen, den Vorstadttheatern und dem Fernsehpro-gramm( S. 89-108, zuerst 1982),„ Was ist Folklorismus“( S. 109-125, zuerst„ Lao-grafia" 28, 1972, S. 27-38),„ Langsames Entkleiden“( S. 126-136, zuerst 1984)sowie die Studie„, Volkskundliches von Athen( 1834-1984)“( S. 137-185, zuerst in,, Nea Estia" 1984, S. 211-233), Aspekte zur Stadtgeschichte, die die nur oberfläch-lichen Verbürgerlichungsprozesse des„ Stadtvolkes" betreffen.
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