Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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erfragen wären und die Volkskunde nicht wieder warten sollte, bis einige Jahrzehntevergangen sind, um dann ein- notgedrungen- verzerrtes und verwischtes Bildmühsam zu rekonstruieren, das in vielerlei Hinsicht nicht mehr überprüfbar ist.Andreas Kuntz brachte das Beispiel des Überlebenskoffers" aus der Kriegszeit, weraber schaut jetzt was die Aussiedler der achtziger Jahre im Rucksack oder im Plastik-sack mit sich nehmen...

Eva Kausel

Bericht vom 22. Internationalen Hafnerei- Symposium des Arbeitskreisesfür Keramikforschung vom 11. bis 14. Oktober 1989

im Braunschweigischen Landesmuseum in Braunschweig

Die Gastfreundschaft des Braunschweigischen Landesmuseums, vertreten durchseinen Direktor, Gerd Biegel, und umfängliche, im Stillen geleistete Vermittlung deslangjährigen Bekannten und Freundes des Arbeitskreises, Josef Daum, verhalfen zueiner erfolgreichen Durchführung des Symposiums. Die gegenüber dem Düsseldor-fer Symposium von 1988¹ mit seinen, wegen der besonderen Umstände des Stadt-jubiläums extrem zahlreichen Teilnehmern, vornehmlich aus dem Bereich der regio-nalen Archäologie, geringere Teilnehmerzahl( ca. 60 aus sechs Ländern: Bulgarien,Bundesrepublik, ČSSR, DDR, Österreich und Ungarn) begünstigte sehr viele Tisch-gespräche und die daraus resultierenden neugeknüpften Kontakte.

Zum Verlauf: Nach einem bereits sehr gut besuchten, geselligen Beisammenseinam Dienstagabend in dem nur Stunden vorher eröffneten Museumsbistro war derMittwochvormittag den Beiträgen der Mitarbeiter am gastgebenden Landesmuseumvorbehalten. W. Steinmetz gab anhand der vorliegenden Grabungen und Fundbe-stände eine Übersicht über die Entwicklung der Keramik in der Region. I. Simonreferierte über die reichen pharmazeutischen Gefäßbestände des Hauses, die in typi-scher Auswahl auch bei der Neuaufstellung des Museums berücksichtigt wordenwaren. Das wahrscheinlich älteste Thema aller bisherigen Symposien von V. Ni-kolov: Hausrat eines jungsteinzeitlichen Hauses in Sofia, fand das ungeteilte Inter-esse aller Zuhörer. Der überraschend gut erhaltene irdene Hausrat mit einer kaumbekannten Vielfalt von großen aufgebauten Vorratsgefäßen hinterließ auch bei den,, Neuzeitlern" großen Eindruck. Die Mühe, die sich J. Kybalova vom Kunstgewer-bemuseum Prag bei der sorgfältigen Vorbereitung ihres Beitrages über Fayencen ausBraunschweig im Prager Museumsbestand gegeben hatte, konnte nicht die angemes-sene Würdigung finden, da örtliche Kompetenzen bedauerlicherweise nicht erschie-nen waren. Der Nachmittag begann mit dem Bericht von F. Kalesny zu einem mittel-alterlichen Ofenfund aus Bratislava, führte in einem großen zeitlichen Sprung zueinem ethnologisch orientierten Beitrag von I. Schütz über( heutige) Formen undFunktionen traditioneller Töpferware aus Ostspanien( Alicante) zu Fragen nachdem Ursprung und Vorbild der Hafner-/ Töpferzeichen auf der graphitiertenSchwarzware aus Obernzell an der Donau. R. Hammel konnte dabei die bisher nichtberücksichtigten Verbindungen der Grafen von Griesbach mit den Babenbergernherausarbeiten, die sich wohl auch in Art und Verwendung der Marken äußerten.Wenn auch geographisch nicht zusammengehörig, so doch zeitlich verbunden,

Bericht: Beiträge zur Keramik 3, Düsseldorf( Hetjens- Museum), 1989, und( ausführlich):Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 15( 1989), im Druck.

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