Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Chronik der Volkskunde

Volksfrömmigkeit. Österreichische Volkskundetagung

vom 21. bis 25. Mai 1989 in Graz

Im Grazer Meerscheinschlößl veranstalteten der Österreichische Fachverband fürVolkskunde und der Verein für Volkskunde vom 21. bis 25. Mai die ÖsterreichischeVolkskundetagung 1989 mit dem Thema Volksfrömmigkeit. Die Organisationoblag dem Grazer Institut für Volkskunde.

27 Referenten aus sieben Nationen versuchten, den Umfang des Begriffs ,, Volks-frömmigkeit zu umreißen. Den 120 Teilnehmern wurde somit ein Überblick überdie verschiedenen Ansätze, die einen Zugang zu diesem Thema ermöglichen sollen,geboten.

Ernst Topitsch( Graz) stellte im Eröffnungsreferat dem Volksglauben die,, Hochreligion" gegenüber. Die Unterschiede sind historisch bedingt. Der Entwick-lungsprozeß führte einerseits zu einer praktischen Zweckrationalität des Alltags-glaubens, anderseits aber auch in eine weitergehende rationale Systematisierung desDenkens über Gott.

Die Schwierigkeit, Volksfrömmigkeit begrifflich zu erfassen, zeigte ChristophDaxelmüller( Freiburg i. Br.) auf: Er betrachtete sie unter dem Gesamtheitsaspekteinerseits als Haltung des Menschen Gott gegenüber und anderseits als positiv sittli-che Einstellung den Mitmenschen und der Natur gegenüber. Durch die Trennung:äußerer Frömmigkeitsvollzug-( innere) Frömmigkeit, kam er zum Schluß: Es gibtVolksfrömmigkeit ohne Frömmigkeit.

Den Montagvormittag schloß Nils- Arvid Bringèus( Lund) mit einem Überblicküber die Entwicklung und den Stand der religionsethnologischen Forschung in den( protestantisch gebundenen) Ländern. Er führte aus, daß verschiedene Konfessio-nen auch andere Ansätze zur Frömmigkeitsforschung bedingen.

Die Reihe der Vorträge am Nachmittag eröffnete Klaus Beitl( Wien) mit einemAnnäherungsversuch an die Frömmigkeitsforschung in Frankreich. Er spannte seineAusführungen von den Auseinandersetzungen um den Begriff bis zu neueren inter-disziplinären Ansätzen. Beitl stellte eine deutliche Phasenverschiebung des For-schungsinteresses gegenüber dem deutschen Sprachraum, wo bereits früher reli-gionsethnologische Forschungen betrieben wurden, fest.

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