Das blaue Vortuch der Männer
Von Kurt Schuller*)
Das männliche Schurzkleid, das blaue Vortuch( ohne Latz), warvom zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhun-dert hinein typisches Kennzeichen der Tracht der Bauern an dernördlichen, östlichen und südöstlichen Grenze Österreichs. DieKerngebiete der Schurztracht zeigen sich als geschlossene mondsi-chelförmige Trachtenlandschaft. Sie liegen im Norden in Ober- undNiederösterreich nördlich der Donau, im Osten im Burgenland undim Südosten in der Oststeiermark. Südliche Teile von Niederöster-reich und Unterkärnten, als Fortsetzung des mondsichelförmigenBogens, schließen sich als Ausstrahlungsgebiete an¹. Außerhalbdieses Gebietes findet man die Schurztracht noch in Südtirol.
Zu den Kerngebieten der Steiermark zählen nur südliche Teilevon Hartberg und Weiz und die untere Hälfte des Bezirkes Graz-Umgebung, der gesamte Bezirk Fürstenfeld, Feldbach und Rad-kersburg. Zu den Ausstrahlungsgebieten gehören die übrige Ost-steiermark, die nördliche Hälfte von Graz- Umgebung und auch dieWeststeiermark. Der in der Brucker Gegend und im Mürztal ver-zeichnete Männerschurz liegt bereits im Mischgebiet( graugrüneLodentracht) und gehört zu den Randerscheinungen². Ein Klei-dungsstück ist selten isoliert, daher trug man in den erwähnten Lan-desteilen zum Vortuch gerne Stiefel. Auch im Verbreitungsgebietder Steiermark deckt sich der um die Hüften gebundene Männer-schurz weitgehend mit dem der Stiefel. Das waren meist Schaft- ³und Holzstiefel, oft auch in einfacher Ausführung. Die Schusterhaben die Holzschuhe, die von den Bauern im Winter oft selberhergestellt wurden, angeschaftet. Man hat einen„ Anstuck", also
*) Diese Arbeit widme ich meinem Sohn Christian Schuller.
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