Saisonwanderung und textile Heimarbeitals notwendige Nebenverdienste
in Vorarlberg( Ein Überblick)
Von Kriemhild Kapeller
Bedingt durch ungünstige geologische und klimatische Verhält-nisse, war es den Bewohnern von Vorarlberg eigentlich nie mög-lich, sich allein von ihrer„ Scholle“ zu ernähren.
Ab dem Spätmittelalter verschärfte sich die Lage nicht nur durchdie Zunahme der Bevölkerung¹ und der damit verbundenen Ver-dichtung des Siedlungsbestandes, sondern noch zusätzlich durcheine Verschlechterung des Klimas auf Grund weitreichender Ent-waldungen². So reichte der Ackerbau ab dem 17. Jahrhundert nichteinmal mehr zur Subsistenzwirtschaft für die Bevölkerung aus.Hinzu kam noch die starke Bodenzersplitterung auf Grund der ale-mannischen Realteilung, die für einen rentablen Ackerbau eben-falls nicht förderlich war. Da die landwirtschaftliche Tragfähigkeitbeinahe völlig ausgeschöpft war und auch andere wirtschaftlicheAlternativen nur beschränkt Erträge brachten( z. B. Verkauf vonRebstecken, der z. T. einen beachtlichen Umfang erreichte) ³, bliebden Bewohnern eigentlich nur die Möglichkeit der Auswanderungbzw. der saisonalen Arbeitswanderung, um sich eine ausreichendeExistenzgrundlage zu schaffen und um nicht ganz abwandern zumüssen, was natürlich auch vorkam³. Erste urkundliche Belege fürdie zeitweise Abwanderung als Verdienstmöglichkeit in Vorarlbergfallen in das Ende des 16. Jahrhunderts. Jedoch nach dem Dreißig-jährigen Krieg stieg die Saisonwanderung über alles Bisherige an,nicht zuletzt, da sich viele nicht mehr als Söldner verdingen konn-ten. So wird aus dem Jahr 1676 berichtet:
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