Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
Seite
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Als Ergänzung zum Vortragsprogramm gab es neben einer Stadtführung inSt. Pölten am Dienstag eine Exkursion nach Krems in das Institut für Mittelalter-liche Realienkunde und am Mittwoch eine Führung durch die NiederösterreichischeLandesausstellung Magie der Industrie" in Pottenstein sowie eine Führung durchBerndorf, wodurch die Beschäftigung mit dem Alltag bis ins Mittelalter und in dieGegenwart ausgedehnt wurde.

Resümee:

Die Tagung zeigte die Schwierigkeiten im Umgang mit dem Alltag einer Epoche,für die Methoden der Oral History", wie sie für die Volkskunde und Alltagsge-schichte der jüngeren Vergangenheit mit großem Gewinn herangezogen werden,nicht anwendbar sind. Der nur scheinbaren Klarheit des Begriffs Alltag" hatR. Sandgruber zwei mögliche genauere Umschreibungen gegenübergestellt: einer-seits die Betonung des sich immer wiederholenden Geschehens und der sich darausergebenden Pragmatik des Handelns, wodurch auch Feste und Sonntage unter denBegriff subsumiert werden und sich ein sehr weiter, umfassender Begriff von Alltagergibt; andererseits die soziale Praxis des einzelnen, der kleinen Leute", wie siezurechtkommen. Dazu zählen besonders auch die Ausgegrenzten, Unterdrückten,aber auch die kleinen Unterdrücker. Wie Sandgruber vertraten auch die übrigenReferenten, i. a. implizit, die erste These, wenn auch die unteren Schichten häufigim Mittelpunkt der Ausführungen standen.

Auch auf die Relativität von Alltag" wurde mehrfach hingewiesen: Was für einenAdeligen durchaus alltäglich sein kann, ist für einen Bürger oder Bauern unterUmständen ein einmaliges Ereignis.

Der Erfassung der Totalität des Alltags", wie sie etwa von Ernö Deák gefordertwurde, steht das Problem der Quellenlage gegenüber, da jede Quelle, wie auch inden Referaten deutlich wurde, nur einen bestimmten Teilaspekt abdecken kann.Außerdem ist aus den vorhandenen Quellen vieles nur indirekt erschließbar, stelltRahmenbedingungen dar oder kann Indikator für bestimmte Zustände sein. Dazukommt die besondere Notwendigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit( auchmit den Naturwissenschaften), wie sie mehrfach gefordert wurde. Denn, wie K. Gut-kas in der Diskussion feststellte: Vieles, was man neu erfindet, hat die Volkskundeschon lang im Standardwissen" aber das gilt mutatis mutandis wohl auch fürandere Disziplinen.

Burkhard Pöttler

Kulturwissenschaftliche Tourismusforschung

1. Arbeitstagung der AG ,, Tourismusforschung" in der Deutschen Gesellschaft fürVolkskunde in Mörfelden, 13. bis 16. Juli 1989

Im Rahmen des letzten Deutschen Volkskunde- Kongresses in Frankfurt/ Main1987 konstituierte sich einen Arbeitsgruppe ,, Tourismusforschung, die nunmehr zuihrer ersten( von Ronald Lutz und Dieter Kramer vorbereiteten) Veranstaltung lud.In einer Aussendung an die angemeldeten Teilnehmer/-innen( welche einführendeAufsätze, Kurzfassungen der Beiträge sowie die endgültige Tagesordnung enthielt)war die Arbeitstagung als Bestandsaufnahme kulturwissenschaftlicher Tourismus-forschung" deklariert. Das Wort Bestandsaufnahme" erwies sich denn auch als derrote Faden der Veranstaltung: sie bot eine Aneinanderreihung von wenig zusam-

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