Jahrgang 
92 (1989) / N.S. 43
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oder ganze Tiere auf dem Rost gebraten werden, wird immer beliebter. Eine roman-tische Bewegung, die es vielfach schon gegeben hat, als der Sparherd gerade erst dieoffene Feuerstelle abgelöst hatte. So bedauerte bereits um die Mitte des vorigenJahrhunderts der Mundkoch des Königs von Preußen, daß in vielen bürgerlichenKüchen die Voraussetzungen fehlten, um einen Braten so zuzubereiten, wie es ihmgebührt, nämlich am Spieß über dem offenen Feuer. Um diese Zeit war der offeneFeuerherd aus vielen Küchen verschwunden, und man muẞte sich damit begnügen,den Braten in der Röhre zu garen. Dennoch war die Entwicklung von der offenenFeuerstätte zum geschlossenen Kochherd eine technische Errungenschaft, denn dasKochen am offenen Feuer war mit erheblichen Nachteilen verbunden, mit großerHitze, Rauch- und Rußbelästigung und hohem Brennstoffverbrauch. Das täglicheKochen am offenen Feuer erforderte zudem Geschicklichkeit und spezielle Geräte.Der größte Teil der nun in Schloß Gobelsburg gezeigten Sachzeugnisse stammt ausder Zeit der Rauchküche und der Rauchstube mit ihrer charakteristischen Doppel-feuerstätte, dem offenen Herd und einem damit verbundenen Backofen, der auchfür Speisen, die eine gleichmäßige Hitze von oben und unten erfordern, Verwendungfand. Zur traditionellen Ausstattung gehörte spezielles Herdgerät und Kochge-schirr. Die Ausstellung bringt eine Auswahl an Geräten für die Feuerung am offenenHerd, wie Feuerzangen, Glutschaufeln und Feuerböcke. Es folgen Geräte zum Bra-ten und Rösten des Fleisches, diverses Kochgeschirr und die dazu benötigten Drei-füße und Pfannknechte. Zum gebräuchlichsten Kochgeschirr zählten Pfanne undKessel. In den langstieligen Pfannen aus Eisen- seltener aus Kupfer und Messingwurde das Mus, der Schmarrn, der Sterz zubereitet; in den Kesseln aus Eisen,Kupfer und Glockenspeise(= 80% Kupfer und 20% Zinn) Wasser und Milchgewärmt, Suppe und Gemüse gekocht. Die für Oberitalien typischen getriebenenKupferkessel wurden als Wasser- und Kochkessel verwendet, in Venetien und derLombardei in den innen verzinnten Kupferkesseln die tägliche Polenta gekocht. Mitdiversem Hilfsgerät wurde der Kochprozeß gesteuert und erleichtert. Dreifuß undKesselkette dienten zur Aufnahme des Kochgeschirrs beim Kochen über dem offe-nen Feuer. Für das Kochen im Ofen gab es andere Behelfe. Mit Ofengabeln wurdendie schweren Töpfe in den Ofen eingeschoben, das Bewegen wurde durch Anbringenvon Rädern erleichtert. Waffeleisen, in denen zu bestimmten Brauch- und Festzeitendünne Kuchen gebacken wurden, und Mehlspeisformen mit bildkräftigen Darstel-lungen stellen weitere eigene Gruppen dar. Um Kücheninterieur zu zeigen, wurdenauch Modelle ausgestellt; die Puppenküchen bieten ein getreues Abbild des Haus-standes. Ergänzt wird die Ausstellung durch Bildzeugnisse, die einen Eindruck vonder ursprünglichen Verwendung der Herd- und Küchengeräte geben.

Zur Ausstellung erschien ein 64 Seiten starker Katalog mit 20 Schwarzweiß- Abbil-dungen.

Museumsgründung im Waldviertel

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Gudrun Hempel

Aussiedlermuseum Allentsteig

Im Juni 1989 wurde im alten Schüttkasten in Alltentsteig/. das neugegründete,, Waldviertler Aussiedlermuseum eröffnet. Das neue Museum entstand durch eineKulturinitiative der Stadtgemeinde Allentsteig und genießt die Unterstützung derBundesministerien für wirtschaftliche Angelegenheiten und für Wissenschaft und

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