Wohnfunktion und WohnverhaltenAspekte der volkskundlichen Erforschungvon Wohnkultur am Beispiel Wiens
Von Vera Mayer
Wie bereits in dieser Zeitschrift berichtet, wurde ich mit demKonzept und der Durchführung der Ausstellung„ Wien- Wohnenim Wandel. Vom Vormärz bis zur Gegenwart“, die bis zum30. Oktober dieses Jahres im Freilichtmuseum Stübing bei Graz zusehen ist, beauftragt¹. Als Untertitel dieser Ausstellung wählte ich,, Volkskundliche Einblicke“, denn es liegt auf der Hand, daß manauf 400 m² Ausstellungsfläche so ein vielfältiges Thema nur exem-plarisch präsentieren kann; ein anderer Grund war auch die Tat-sache, daß diese Ausstellung einen weiteren Schritt in der volks-kundlichen Erforschung der Wiener Wohnkultur bedeutete, einenEinstieg in einen Forschungsbereich also, der bisher weniger vonder Volkskunde, sondern vielmehr von Fächern, wie etwa Kunstge-schichte, Geschichte, Architekturgeschichte, Sozial- und Wirt-schaftsgeschichte und Soziologie systematisch behandelt wurde².So stand hinter diesem Konzept auch die Absicht, einen Überblicküber diese Problematik zu erlangen, um für die Volkskunde mögli-che Forschungsansätze aufzuzeigen.
Es war dann mein Anliegen, die Wiener Wohnkultur in ihrerganzen Vielfalt, vor allem in Hinblick auf die Haus-, Raum-, Sozial-und Funktionsstruktur aufzuzeigen³; unter diesem Aspekt solltennun Wohnkultur und Wohnweisen der Ober-, Mittel- und Unter-schichten in Wien in ihrer sozialen und schichtenspezifischenGegensätzlichkeit untersucht werden. Der Akzent liegt dabei aufder Erforschung der Wohnkultur unserer Zeit, wobei die Gegen-wartsvolkskunde als eine dennoch historische Wissenschaft nichtnur den heutigen Stand dokumentiert, sondern bestrebt ist, den
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