der Band für den wissenschaftlich an Felszeichnungen Interessierten eine große Ent-täuschung. Die Autorin bezieht sich zwar in ihren Deutungen immer wieder aufbereits gefestigte Ergebnisse der Forschung, geht in ihren Interpretationen aber weitüber alles mit Sicherheit über die Felszeichnungsmotive Sagbare hinaus und gibtüber weite Strecken nur persönliche, impressionistische Eindrücke über die Fels-zeichnungen wieder. Darauf weist allerdings bereits ein kurzes Vorwort des Direk-tors des Braunschweiger Landesmuseums, G. Bigel, hin, der von einer„, rationalenund emotionalen Deutung" durch die Autorin spricht, wobei der Schwerpunkt aberauf dem zweiten Aspekt liegt.
Der Hintergrund dieses persönlichen und emotionalen Deutungsansatzes wird imLiteraturverzeichnis aufgezeigt: von fünf Seiten Sekundärliteraturverzeichnis isteine halbe Seite ausschließlich den Werken von Rudolf Steiner gewidmet, und in des-sen anthroposophischer Lehre sind auch die Wurzeln der hier vorgelegten Interpre-tationen zu sehen.
Schon deswegen können hier nicht mit den wissenschaftlichen Argumenten derNordistik, Urgeschichte oder Volkskunde Detailfragen kritisiert werden, dennochmuß auf den Mißbrauch der Edda- Dichtung hingewiesen werden, der hier betriebenwird. Auch ernstzunehmende Vertreter einer Kontinuitätstheorie können nichtumhin, während der 3000-4000 Jahre zwischen Felszeichnungen und Niederschriftder Eddalieder mit Zwischengliedern zu operieren, wenn ein Zusammenhang auchnur wahrscheinlich gemacht werden soll. Von der Frage, ob in Skandinavien in derBronzezeit überhaupt von einer germanischen Bevölkerung gesprochen werdenkann, sei hier bewußt abgesehen.
Insgesamt also kein wissenschaftliches Buch, keinesfalls eine Einführung in dieskandinavischen Felszeichnungen für Studenten oder Forscher anderer Disziplinen,sondern entweder ein Bildband, der durch seine eindrucksvollen Abbildungen viel-leicht anregend bei einer Reise in Südschweden wirken kann, am ehesten aber einebewußt anthroposophisch gefärbte Einleitung in ein wichtiges Kapitel frühgeschicht-lichen Quellenmaterials für denjenigen, der diese Interpretationen aus derselbenGeisteshaltung heraus nachvollziehen möchte.
Rudolf Simek
Hermann Langer, Österreichische Fayencen. München, Weltkunstverlag,252 Seiten, 72 Farbbilder, 241 Schwarzweißbilder.
Seit dem Frühjahr 1988 steht der neueste ausführliche Überblick über österreichi-sche Fayencekunst dem interessierten Forscher zur Verfügung. Der Autor, selbstdurch langjähriges intensives Sammeln und die Arbeit in den Archiven zum Exper-ten geworden, stellte den in jeder Hinsicht wertvollen Band, bereichert mit eigenenErkenntnissen, zusammen.
Die einzelnen Bundesländer bzw. ihre Hafnerorte werden je nach dem Grad ihrerErforschung sowohl in archivalischer als auch in objektbeschreibender Hinsicht aus-führlich behandelt. Soweit bekannt, werden die Werkstätten aufgezählt, ihre Archi-valien aufgelistet und ihr Formenreichtum beschrieben. 72 Farbbilder und 241schwarzweiße Katalogbilder illustrieren die einzelnen Formentypen und liefernsowohl durch das Bild als auch durch die genaue Beschreibung nach Form, Bema-lung, Bezeichnung, Maße, Herkunft, derzeitigen Aufbewahrungsort, Literatur-
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