Literatur der Volkskunde
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Franz Deimbacher, Gerhard Lengauer( Hrsg.), Ortskundliche Stoffsamm-lung. Anlage Ergänzung Auswertung(= Unterricht konkret, Bd. 12).Wien, Österreichischer Bundesverlag, 1985, 170 Seiten.
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Dem Autorenteam( 5 Mitarbeiter) geht es in diesem Buch mit seinen 19 kurzenKapiteln sichtlich mehr um Praxis als um Wissenschaftlichkeit, also primär um dieAufarbeitung und Präsentation von Themen, die innerhalb einer Gemeinde odereines Ortes erfaẞbar sind. Daher werden anhand verschiedener gedanklicher Aus-gangspunkte( wie etwa Demographie, Geographie, Geschichte, Sozialkunde, Wirt-schaft und Arbeitsleben sowie Volkskunde- um nur einige zu nennen) Modelleerstellt, die einer ortskundlichen Stoffsammlung dienlich sein können. Sie sind alsHilfsmittel und Anleitung für Lehrer gedacht, um neue Sammlungen anzulegen oderbereits bestehende zu ergänzen, um den Sachunterricht wirklichkeitsnah gestaltenzu können( hier sei besonders auf den Abschnitt ,, Funktionen und Einsatzweisen derBilddokumentation in der Ortskundlichen Stoffsammlung" verwiesen) oder aberauch als Behelf im Rahmen der Erwachsenenbildung. Im großen und ganzen handeltes sich somit um ein für die praktische Anwendung gedachtes Buch, welches auchmit etlichen Literaturhinweisen zu jedem einzelnen Teilkapitel versehen ist; aller-dings mutet es vielleicht gerade deswegen stellenweise doch recht laienhaft an( etwa wenn genaue Hinweise auf zu verwendendes Papierformat gegeben werden,oder im Abschlußkapitel„ Organisatorisches und Methodisches zur OrtskundlichenStoffsammlung" von Franz Deimbacher, welches sich in eher oberflächlich zusam-menfassenden Bemerkungen erschöpft). Auch eine gewisse Naivität kann man die-sem Buch nicht absprechen, selbst wenn u. a.„, moderne" Entwicklungen( z. B.Umweltschutz, Ökologie, Freizeitgestaltung) Erwähnung finden und gedanklichangerissen werden. Leider aber fehlt dann meist das konsequente Durchdenken die-ser Ansätze: Erwähnt sei hier beispielsweise der erste Abschnitt„ Der Umweltschutzals Thema der Ortskundlichen Stoffsammlung“( Franz Deimbacher). Darin wird derAusbau der Wasserkraft als eindeutig positiv landschafts- und umwelterhaltendangeführt; auf die mancherorts wohl unbestritten vorhandene Problematik dieserMaßnahmen wird in keiner Weise eingegangen. Als zweites Beispiel sei der Unterab-schnitt ,, Nahrungsmittel schützen" genannt( ebenfalls zum Kapitel über„ Umwelt-schutz"/ Deimbacher gehörend): Da findet sich keinerlei Frage nach der Rolle derVerteilerorganisationen von Chemikalien an die Landwirtschaft, obwohl doch ebenüber derlei Gruppierungen die Denaturierung pflanzlicher und tierischer Nahrungs-mittel erfolgt.
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